Taiwans Energiemangel – die globale Chipindustrie im Abgrund

Taiwan importiert seit Jahrzehnten über 97 Prozent seiner Energie. Der gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsvorrat für Flüssiggas beträgt lediglich elf Tage, obwohl Gaskraftwerke bereits fast die Hälfte des Stroms erzeugen. Eine gezielte Blockade durch die Volksrepublik China könnte nicht nur Taiwan wirtschaftlich lahmlegen, sondern gleichzeitig eine globale Industriekrise auslösen.

Die Insel ist energiepolitisch extrem vulnerabel. Doch die Regierung ignoriert Warnungen vor einer bevorstehenden Stromknappheit und betont, dass der elftägige Vorrat lediglich den vorgeschriebenen Sicherheitsbestand darstellt – mit kontinuierlichen Tankerlieferungen für April bis Mai. Ab 2027 soll dieser Vorrat auf 14 Tage erhöht werden. Doch gegen eine gezielte Abriegelung ist dies kaum mehr als eine Galgenfrist.

Die eigentliche Schwachstelle liegt in der Struktur des gesamten Energiesystems: Im Jahr 2025 stammte rund 47,7 Prozent des Stroms aus Erdgas und 35,3 Prozent aus Kohle. Erneuerbare Energie verfügte nur über 13,3 Prozent, während die Kernkraft lediglich 1,1 Prozent ausmachte. Mehr als vier Fünftel des Stroms entstanden somit aus fossilen Trägern, die fast vollständig importiert werden müssen.

In den letzten Monaten verzeichnete Taiwan eine signifikante Zunahme chinesischer Schiffe um die Insel – im Juni wurden 55 Regierungs-, Forschungs- und Küstenwachenschiffe registriert, was bereits 83 Prozent mehr als im Vormonat darstellt. Sicherheitsbehörden warnen vor möglichen Maßnahmen Pekings zur Unterbrechung der pazifischen Versorgungswege durch Zollkontrollen oder militärische Sperrgebiete, die bereits einen schwerwiegenden Wirtschaftseffekt auslösen könnten.

Der letzte Schritt in der Energiepolitik war am 17. Mai 2025 die Abschaltung des letzten Kernreaktors – ein Vorgang, der die Abhängigkeit von Flüssiggas weiter verstärkte. TSMC, der weltweit führende Chiphersteller mit rund 60 Prozent der globalen Halbleiterproduktion, ist besonders betroffen: Eine Störung in Taiwan würde die gesamte Technologieindustrie zerschlagen, da Chipfabriken dauerhaft stabile Stromversorgung benötigen.

Ohne eine umfassende Energiestabilität sieht die Zukunft der Insel – und damit der Weltwirtschaft im Ernstfall – sehr düster aus.