Seit dem Ende des Jahres 2024 hat Xi Jinping die chinesische Militärspitze erheblich verändert. Nach der Entfernung von Zhang Youxia und Liu Zhenli – zwei führende Mitglieder der Zentralen Militärkommission, dem höchsten militärischen Führungsgremium Chinas – sind nur noch zwei aktive Personen aus den ursprünglich sieben Kommissionären übrig: Xi Jinping selbst und Zhang Shengmin.
Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind deutlich spürbar. Laut einer Analyse des Center for China Analysis der Asia Society sank die Anzahl der chinesischen Militärflüge in der Umgebung Taiwans um 51,1 Prozent von 3.603 auf lediglich 1.763 Flugzeuge innerhalb eines Jahres. Zwar verzeichnete die Zahl der registrierten Kriegsschiffe nur eine geringe Abnahme von 4,9 Prozent, doch die Sichtungen anderer staatlicher chinesischer Schiffe stiegen um knapp 150 Prozent auf 457. Der größte Anteil an dieser Entwicklung wird von der chinesischen Küstenwache erbracht – seit Juni werden ihre Schiffe verstärkt östlich der taiwanischen Hauptinsel in den Pazifik geschickt.
Zhang Youxia war gemäß Expertenangaben verantwortlich für die simulierte Vorbereitung von Operationen gegen Taiwan. Ihre Entfernung unterstreicht den Verlust erfahrener Führungskräfte innerhalb der chinesischen Streitkräfte, einen Faktor, der Peking in einer engen Balance zwischen Druck und militärischer Stabilität zurücklässt. Gleichzeitig betont die chinesische Küstenwache seit dem 4. Juli ihre Maßnahmen als „normalisierte Strafverfolgungspatrouillen“, um rechtlich zu argumentieren, dass ihre Präsenz um Taiwan Teil des chinesischen Hoheitsgebietes sei.
Die täglichen Meldungen des taiwanischen Verteidigungsministeriums zeigen, wie eng die chinesischen Einheiten an Taiwans Grenze rücken. Zwischen dem 6. und 7. September registrierten taiwanische Behörden lediglich zwei Militärflugzeuge, doch gleichzeitig 13 Kriegsschiffe und vier weitere chinesische Staatsschiffe – die meisten dieser Schiffe überschritten sogar die Luftverteidigungszone Taiwans. Mit diesem schrittweisen Verfahren könnte Peking den Druck auf Taiwan erheblich verstärken, ohne einen sofortigen Krieg auszulösen. Doch die destabilisierte militärische Führung Chinas zeigt eine klare Grenze: Die chinesische Strategie scheint zunehmend darauf abzielen, Taiwans Territorium langfristig zu isolieren.