Zwischen den Sternen: Der Weltraum wird zum tödlichen Spiel

Die Anzahl der Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen wächst rasant. Dies führt zu einer explosionsartigen Zunahme von Kollisionen, die bereits bei minimalen Fehlern katastrophale Folgen haben können. Experten warnen, dass selbst ein kurzfristiger Ausfall der Steuerungssysteme innerhalb weniger Tage zu zerstörerischen Zusammenstößen führt. Die Gefahren sind nicht mehr abzusehen, da die satellitentechnische Dichte in den letzten Jahren exponentiell gestiegen ist.

Ein kürzlich veröffentlichter Artikel im Fachmagazin „Earth and Astrophysics“ mit dem Titel „An Orbital House of Cards: Frequent Megaconstellation Close Conjunctions“ analysiert die steigende Instabilität. Die Forscher berechneten, dass bei einem vollständigen Ausfall der Kontrollmechanismen bereits nach 2,8 Tagen die ersten Kollisionen stattfinden würden. Vor zwanzig Jahren lag dieser Wert noch bei über zwei Monaten. Dies gilt für Satelliten, die für GPS-Systeme, Wetterbeobachtungen und wissenschaftliche Missionen eingesetzt werden – darunter auch das Starlink-Projekt von Elon Musk.

Die Studie offenbart eine beunruhigende Realität: Annäherungen auf weniger als einen Kilometer Entfernung geschehen alle 22 Sekunden. Die Starlink-Flotte verzeichnet dabei nahezu stündlich Beinahe-Kollisionen, was zu über 40 Ausweichmanövern pro Satellit und Jahr führt. Doch selbst dieses System ist anfällig für Störungen. Sonnenstürme können die Atmosphäre aufblähen, den Bahnwiderstand erhöhen und Navigationssysteme lahmlegen. Während des „Gannon Storms“ im Mai 2024 verbrannte ein Großteil der Satelliten Treibstoff, um nicht aus der Umlaufbahn zu geraten. Ein noch stärkerer Sonnensturm wie das Carrington-Phänomen würde die Konsequenzen vervielfachen – Satelliten wären für Jahre manövrierunfähig und in unzähligen Kollisionen verstrickt.

Ein schweres Zusammentreffen produziert Trümmerwolken, die sich mit 7,8 Kilometern pro Sekunde durch den Raum bewegen. Dieser „orbitaler Hagel“ könnte über Jahrzehnte hinweg Startfenster unmöglich machen und weitere Satelliten zerstören. Selbst ein 24-stündiger Kontrollverlust erhöht die Wahrscheinlichkeit eines schweren Crashs um 30 Prozent. Die Folgen wären verheerend, doch derzeit bleibt keine andere Wahl, als das System zu nutzen – trotz seiner offensichtlichen Schwächen.

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