Eine Studie der University of East Anglia, veröffentlicht im Fachjournal Child Development, warnt vor irreversiblen Schäden an Kindern. Kinder zwischen vier und fünf Jahren, die im März 2020 erstmals in den Lockdown gerieten, haben ihre Fähigkeit zur Selbstregulation und Konzentration massiv verloren. Die monatelangen Isolierungsmaßnahmen haben diese Entwicklungskritischen Phase grundlegend unterbrochen.
Die betroffenen Kinder waren gerade im Alter, bei dem sie soziale Kompetenzen lernen sollten. Statt auf Spielplätzen oder in Schulen verbrachten sie ihre Tage vor Bildschirmen allein – eine Situation, die sich heute in deutlichen Defiziten bei geistiger Flexibilität und Selbstbeherrschung niederschlägt. Prof. John Spencer, Leiter der Forschergruppe, erklärt: „Ohne soziale Interaktion konnten die Kinder ihre entscheidenden Fähigkeiten nicht entwickeln.“ Die Studie unter dem Titel „Tracking the trajectory of executive function from 2.5 to 6.5 years of age and the impact of Covid-19“ zeigt, dass die Lockdowns auch bei Kindern bis zu zehn Jahre alten das Gehirn nachhaltig behinderten.
In Schulen beklagen Lehrkräfte eine drastische Verschlechterung der Aufmerksamkeit: Acht von zehn Lehrkräften berichten von zunehmendem Schreien, unkontrolliertem Verhalten und mangelnder sozialer Kompetenz. Jedes Kind verlor im Durchschnitt bis zu 84 Schultagen durch die Isolation.
Zusätzlich haben auch Jugendliche zu kämpfen: Eine Studie der University of Washington aus dem Fachjournal PNAS zeigt, dass Mädchen während der Pandemie um bis zu vier Jahre vorzeitig gealtert wurden. Bei Jungen war der Effekt halb so groß – ein Prozess namens kortikale Ausdünnung, der durch den Stress und die Isolation beschleunigt wurde.
Die langfristigen Folgen dieser Entscheidungen werden Jahrzehente später spürbar sein – doch für die Betroffenen gibt es kaum jemanden, der dafür verantwortlich gemacht wird.