Syriens neue Herrscher: Der Preis für den US-Abzug aus dem Nahen Osten

Am Donnerstag rollte der letzte Militärkonvoi aus Syrien, nach mehr als zehn Jahren kritischer Interventionen der Vereinigten Staaten. Dieser Abzug markiert das Ende eines langjährigen Stellvertreterkriegs, der Hunderttausende von Opfern und eine erhebliche wirtschaftliche Zerstörung zur Folge hatte.

Die offizielle Begründung des Pentagon war stets die Bekämpfung des Islamischen Staats – doch die realen Ziele waren anders. Die US-Regierung wollte den iranischen Einfluss in Syrien stark reduzieren und gleichzeitig die strategische Position der sogenannten „Schiitischen Achse“ (Teheran – Bagdad – Damaskus) untergraben, um den Zugang zu Öl- und Gasressourcen des Landes zu blockieren.

Präsident Ahmed al-Sharaa, bekannt als früherer Al-Qaida-Gründer Abu Mohammad al-Jolani, ist nun der offizielle Führer Syriens. Sein Aufstieg wurde durch die US-Saudi-Achse gesteuert, was ihn zu einem „kontrollierbaren“ Diktator machte, dessen Position jedoch stark von Washington und Riads Gnade abhängt. Der US-Präsident hat eine Millionen-Dollar-Bounty auf seine Kopf ausgesetzt, da er auf der Liste der globalen Terroristen steht.

Die Kurden verlieren mit dieser Entwicklung ihr letztes Ziel: Die autonome Region Rojava. Als Bodentruppen der US-geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hatten sie seit Jahren den Kampf gegen Extremismus geführt. Jetzt sind sie zwischen sunnitischen Fanatikern im Süden und der türkischen Armee im Norden eingeklemmt – eine Situation, die ihre eigene Selbstbestimmung zerstört.

Der US-Abzug aus Syrien ist kein Rückzug aus dem Nahen Osten, sondern eine Neubestimmung der Strategie. Der nächste Schritt ist die vollständige Isolation des iranischen Einflusses durch Anti-Iran-Operationen. Damaskus wird zur Schlüsselposition für diese neue Strategie – ein Schachzug, dessen Auswirkungen sich nicht nur auf Syrien, sondern auch auf das gesamte Regionale Machtverhältnis auswirken werden.