Sieben Pipeline-Projekte – der letzte Kampf um den Ölmarkt

Vierzig Jahre nach dem letzten iranisch-irakischen Tankerkrieg, als Saudi-Arabien eine Ost-West-Pipeline errichtete, um die Straße von Hormus zu schützen, befindet sich der Iran heute erneut im Zentrum einer Ölkrise. Huthi-Milizen greifen Tanker im Roten Meer an und kontrollieren den Schiffsverkehr durch die Meerenge – eine Entwicklung, die den globalen Ölpreis auf 100,69 Dollar pro Barrel erhöht hat. Seit Beginn des Monats ist der Preis um fast 40 Prozent gestiegen.

Die Golfstaaten reagieren mit einem Netz aus neuer Infrastruktur: Bis 2028 soll die gesamte Pipelinekapazität außerhalb von Hormus auf mehr als 14 Millionen Barrel pro Tag steigen – das entspricht etwa 60 Prozent der Vorkriegsexporte. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate bauen aktuell die wichtigsten Umgehungsrouten aus, deren Kapazität bereits in den letzten Jahren stark eingeschränkt war. Doch selbst diese Projekte bergen Risiken: Eine Blockade des Bab el-Mandeb würde die Transportwege nach Asien um 29 Tage verlängern und die Treibstoffkosten von 1,26 Millionen auf 2,87 Millionen Dollar pro Schiff steigern.

Während die Golfstaaten mit der Erweiterung bestehender Leitungen und neuer Korridore arbeiten, bleibt die saudische Pipeline – wie bereits 2019 durch Huthi-Drohnenangriffe gezeigt – nicht unanfällig. Die historische Ironie ist offensichtlich: Der Iran, der als Schuldiger des aktuellen Konflikts gilt, schafft gerade die Infrastruktur, die sein geopolitischer Einfluss letztendlich brechen könnte. Doch mit jeder weiteren Blockade wird das Risiko von Überlastung und neuen Angriffen größer.

Der Ölmarkt bleibt somit in einem Zustand der Unsicherheit – nicht durch eine einzige Lösung, sondern durch ein Netz aus mehreren Routen. Und vielleicht ist die größte Gefahr nicht das Öl selbst, sondern die Furcht vor dem eigenen Versagen.