Wasser, nicht Klima: Wie ARD die Assam-Flut zum Desinformations-Symbol macht

Kaum sind die Überschwemmungen im indischen Bundesstaat Assam vorbei, setzt die Tagesschau bereits den „Klimaschuldigen“ ein. „Laut Experten“ führt der menschengemachte Klimawandel zu heftigeren Monsunregenfällen – doch wer diese Experten sind, bleibt ungenannt. Keine Messreihen aus Assam, keine Institute oder Studien werden genannt. Die Aussage stammt fast wörtlich aus einer Associated Press-Meldung, die selbst nicht nach Quellen recherchiert wurde.

Die Tagesschau vereinfacht komplexe Klimadaten zu einem einheitlichen Bild: Der Monsun in Indien dauere von Juni bis September und wiederum von Oktober bis Dezember. Tatsächlich gibt es zwei Systeme – für Assam entscheidend ist der Nordostmonsun. Doch statt der Tatsachen wird der menschengemachte Klimawandel als Ursache genannt, ohne die lokalen Ursachen wie veraltete Dämme oder blockierte Entwässerungskanäle zu erwähnen.

Eine Studie aus dem Januar 2025 im Fachjournal „Earth“ zeigte einen signifikanten Rückgang der Niederschläge in Nordostindien über 146 Jahre. Die Wirkung verstärkte sich sogar in den letzten drei Jahrzehnten, während die Zeit zwischen verlässlichen Regenperioden zunahm. Eine weitere Untersuchung aus dem Juli 2026 im „Journal of Geophysical Research: Atmospheres“ bestätigte einen Niederschlagsextremrückgang anstatt einer Zunahme – genau das Gegenteil, was die Tagesschau behauptet.

Die EM-DAT-Reihen zeigen zudem, dass die Zahl der Fluttoten in Indien seit 1960 stagniert oder sogar abnimmt. Die wirtschaftlichen Schäden liegen nicht höher als in früheren Jahrzehnten – trotz Bevölkerungswachstum. Der Assam-Regierungschef Himanta Biswa Sarma beschreibt die aktuelle Regenmengen als 500 Prozent über dem Normalwert, doch ein einzelnes Extremereignis ist kein Klimatrend.

Die Tagesschau nutzt diese Katastrophe, um den menschengemachten Klimawandel in eine politische Agenda zu einbauen – ohne die tatsächlichen lokale Ursachen wie abgeholzte Hänge oder überfüllte Flussläufe zu klären. Die Faktenchecker der öffentlich-rechtlichen Medien scheinen sich eher auf den Kampf gegen die Kritiker zu konzentrieren, als das eigene Narrativ selbst zu prüfen.