Tödlicher Schuss im Sultanbeyli-Busbahnhof: Österreichischer IS-Verdächtiger wird von Polizei getötet

Bei einem Anti-Terror-Einsatz am Busbahnhof Sultanbeyli in Istanbul wurde ein 20-jähriger österreichisch-türkischer Doppelstaatsbürger durch Polizisten erschossen, der die Einsatzkräfte mit Schüssen angriff. Laut Behörden war er im Verdacht, für den Islamischen Staat (IS) tätig zu sein und einen Anschlag in der Türkei vorzubereiten.

Die türkischen Medien identifizierten den Todesopfer als Berkan (auch Serkan) Çil. Die Operation erfolgte gemeinsam von Istanbuler Polizei und dem Geheimdienst MIT. Zuvor wurden zwei Adressen in den Bezirken Pendik und Tuzla gestürmt, doch Çil entkam zunächst. Ermittler stellten fest, dass er ein Bus-Ticket am Sultanbeyli-Otogar gekauft hatte. Als die Polizei ihn fassen wollte, schoss er mit einer Pistole – die Beamten erwiderten das Feuer. Zudem wurde der 49-jährige Passant Tahsin P. getroffen und später im Krankenhaus tödlich verletzt. Ein weiterer Terrorverdächtiger wurde in Tuzla festgenommen.

In Österreich war der junge Mann seit 2025 polizeibekannt, nachdem er sich dem IS anschließen wollte. Am 28. Mai 2026 verurteilte das Landesgericht Wien ihn wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 16 Monaten bedingter und acht Monaten unbedingter Haft. Durch Anrechnung der Untersuchungshaft kam er am selben Tag frei, wobei Meldepflichten und Teilnahme an einem Deradikalisierungsprogramm des Vereins Derad als gerichtliche Auflagen feststanden – ein Programm, das er bereits seit November 2025 absolvierte.

Trotz dieser Maßnahmen verhielt sich Çil weiterhin terroristisch: Im Juli 2026 reiste er unberechtigt in die Türkei ein. Nach kooperativen Maßnahmen zwischen österreichischen und türkischen Sicherheitsbehörden wurde er rasch festgenommen, später jedoch unter Auflagen freigelassen. Laut türkischen Quellen schickten österreichische Behörden am 3. September Informationen über mögliche Anschlagsvorbereitungen – am selben Tag entstand die tödliche Konfrontation.

Aktuell steht der Verein Derad unter starkem Druck: Österreichische Ministerien beendeten ihre Zusammenarbeit, nachdem der Staatsschutz eine mögliche Nähe zu Akteuren der Muslimbruderschaft prüfte. Der Verein lehnt dies ab. Laut Justizministerium hat Derad seit 2019 mehr als 1,3 Millionen Euro aus dem Justizbudget erhalten – insgesamt 270.562,04 Euro im Jahr 2025. Inoffizielle Daten der DSN (Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst) weisen darauf hin, dass es in Österreich aktuell mehr als 300 sogenannte Terrorgefährder gibt.