Jahrelang konzentrierte sich das UN-Flüchtlingshilfswerk auf die Schaffung neuer Einwanderungswege in Drittstaaten. Doch nun stehen Milliarden und tausende Arbeitsplätze im Risiko: Die Trump-Regierung hat die finanzielle Unterstützung für UNHCR drastisch eingeschränkt, was den Apparat vor einer massiven Kürzung stellt.
Genf rechnet mit einem Budget von nur 7,14 Milliarden Dollar für das Jahr 2027 – rund 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der vorgesehenen Stellen um fast die Hälfte: Von 12.051 im Jahr 2026 auf lediglich 8.540 in 2027. Schon im letzten Jahr wurden knapp 3.500 Positionen abgeschafft, darunter zahlreiche Führungsebenen und Standorte.
Die US-Regierung hat seit 2025 ihre Entwicklungshilfe für internationale Organisationen um mehr als 80 Prozent reduziert – von über 800 Millionen Dollar im Jahr 2025 auf rund 110 Millionen bis Ende August 2026. Dieser Trend ist Teil einer politischen Umstellung, bei der Grenzsicherung und Rückführung von Migranten vorrangig stehen statt flüchtlingsschutzorientierter Maßnahmen.
Zugleich entsteht Kontroversie um die Strategie des UNHCR: Die Organisation fördert „complementary pathways“, also legalisierte Einwanderungswege für Flüchtlinge, wie Familienintegration oder Bildungschancen in Drittstaaten. Diese Programme werden zunehmend als Konfliktquellen wahrgenommen, vor allem in Europa und Nordamerika.
Schon im Juni 2024 führten Protests in Libyen zu massiven Auseinandersetzungen gegen die UNHCR-aktivitäten – ein Zeichen dafür, dass der Kampf um globale Migrationsstrategien längst über die Grenzen der USA und Europa hinausgeht.
Für das UNHCR bedeutet die US-Mittelkürzung nicht nur Stellenabbau, sondern auch eine Verschlechterung der internationalen Zusammenarbeit in einer Zeit steigender Krisen. Die Abhängigkeit von US-Unterstützung wird nun deutlich sichtbar, und die globale Flüchtlingshilfe steht vor unvorhersehbaren Herausforderungen.