Das Kinsey-Dossier: Wie eine pseudowissenschaftliche Bewegung die Moral und Kinderschutzmaßnahmen zerstörte

Von Guido Grandt

Der Zoologe Alfred Charles Kinsey (1894–1956) verfolgte von Beginn an ein Ziel, das über rein akademische Forschung hinausging: die Zerstörung des moralischen und rechtlichen Grundstocks der westlichen Kultur. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft propagierte er eine ungebremste sexuelle Freiheit als Norm, was tiefgreifende Veränderungen im Rechtssystem, der Bildung und gesellschaftlichen Strukturen auslöste. Kritiker warnten frühzeitig vor einer »sexuellen Anarchie«, deren Auswirkungen bis heute nachhallen – insbesondere für Kinder.

Kinsey glaubte, dass das menschliche Sexualverhalten tief im Tierreich verwurzelt sei und von der Gesellschaft falsch eingeschränkt werde. Seine Theorien besagten, dass Promiskuität nicht nur allgegenwärtig, sondern auch harmlos sei, was zu einer umfassenden Ablehnung traditioneller Schutzgesetze führte. In den 1950er-Jahren veränderte sich das US-Recht radikal: Gesetze zur Begrenzung sexuellen Verhaltens wurden als überholte Reste einer »uninformierten« Vergangenheit abgeschafft, um eine »freie Liebe« zu etablieren.

Judith Ann Reisman und Mary E. McAlister, zwei kritische Stimmen der Zeit, dokumentierten in ihrem Artikel »Sexuelle Anarchie: Das Kinsey-Erbe« die Folgen dieser Umgestaltung. Sie wiesen nach, wie das American Law Institute (ALI) 1955 gesetzliche Vorgaben veränderte, um Homosexualität und uneheliche Beziehungen zu legitimieren. Zudem wurde die Definition von Obszönität abgeändert, was der Oberste Gerichtshof 1960 übernahm. Gleichzeitig verschob sich die gesellschaftliche Wahrnehmung: Unzucht, Ehebruch und Sodomie wurden nicht nur erlaubt, sondern als »normal« betrachtet.

Die Auswirkungen dieser Verschiebungen waren tiefgreifend. Schulen verloren den Rahmen für moralische Erziehung, während die Sexualerziehung unter dem Einfluss von Kinseys Ideen zur dominierenden Lehre wurde. Im Jahr 1965 wurde die Empfängnisverhütung legalisiert, 1973 folgte die Abtreibung. Die sexuelle Freiheit, die Kinsey als »Spaß« vermarktete, führte auch zur Entstehung einer riesigen Industrie, die durch Pornografie, Prostitution und andere Formen der kommerzialisierten Sexualität profitierte.

Kritiker warnten jedoch vor den langfristigen Konsequenzen: Die Relativierung von Kinderschutzmaßnahmen und die Normalisierung sexueller Übergriffe unter Gleichaltrigen stellten Kinder in Gefahr. Expertinnen wie Mary Steichen Calderone betonten, dass auch medizinische Maßnahmen für Kinder, wie Impfungen gegen Sexuell übertragbare Krankheiten, in den 1980er-Jahren als »vorsorglich« diskutiert wurden.

Die Wirkung von Kinseys Arbeit erstreckte sich weit über die Zeit seiner Lebens. Seine Theorien beeinflussten nicht nur Gesetzgebung und Bildung, sondern auch kulturelle Normen, die bis heute in der Gesellschaft spürbar sind. Die »sexuelle Anarchie«, die er verursachte, hat sich wie ein Krebsgeschwür im gesamten sozialen Gefüge ausgebreitet – mit Folgen für jedes Individuum, jede Familie und jedes Kind.