Der staatliche schwedische Energiekonzern Vattenfall erlebt eine finanzielle Krise, deren Ausmaß sich seit sechs Jahren durch kontinuierliche Verluste abzeichnet. Im Jahr 2025 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von 1,27 Milliarden Kronen – ein Rückgang um rund 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ein zentraler Trend ist die Abregelung der Stromproduktion bei Toledo Vind AB: Im Geschäftsjahr 2025 musste der Tochterkonzern 31 Prozent seiner möglichen Stromproduktion abschalten. Im Vorjahr waren es erst 17 Prozent. Die Gründe dafür sind in den Geschäftsberichten klar dargestellt – die variablen Kosten für das Übertragungsnetz liegen bei Werten, die deutlich über den erzielbaren Einnahmen liegen.
Wirtschaftsforscher Christian Sandström und Christian Steinbeck haben in einer Analyse gezeigt, dass Vattenfalls schwedische Windkraftgesellschaften seit Jahren keine Gewinne mehr erzielen. Die Branche hat sich zu einem chronischen Verlustgeschäft entwickelt, obwohl der Konzern weiterhin Kapital für neue Projekte ausgibt.
„Bei Strompreisen von rund 40 Öre pro Kilowattstunde sind neue Offshore-Windkraftanlagen wirtschaftlich nicht rentabel“, erklärte Anna Borg, Vattenfalls Chefin, im Mai 2025. Ohne staatliche Unterstützung sei der Ausbau unmöglich.
Bis 2030 plant Vattenfall rund 62 Milliarden Kronen für internationale Windkraftprojekte aus – obwohl die schwedischen Tochterunternehmen bereits seit Jahren Verluste machen. Die Schlüsselproblematik liegt im Geschäftsmodell der Windenergie: Bei starkem Wetter produzieren die Anlagen zu viel Strom, was zu niedrigen Preisen führt. Bei geringer Nachfrage sind sie dagegen nicht produktiv und verlieren Geld statt zu gewinnen.
In diesem Kontext zeigt sich deutlich, dass die schwedische Windkraftbranche eine wirtschaftliche Herausforderung darstellt, die weit über technische Aspekte hinausgeht. Die Milliardenverluste verdeutlichen, wie schwer es ist, Umweltziele mit wirtschaftlicher Realität zu vereinen.