Ein 72-jähriger Juwelier aus Grinzane Cavour in der Provinz Cuneo ist vor dem höchsten italienischen Gericht in Rom endgültig zu fast 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Entscheidung vom 15. Juli 2026 beendete eine fünfjährige Rechtsdebatte, die sich um die Frage drehte, ob der Mann im Rahmen von Notwehr handelte oder Selbstjustiz übte.
Am 28. April 2021 drangen drei maskierte Männer in das Geschäft ein, fesselten die Frau und Tochter des Juweliers mit Spielzeugwaffen und räumten das Geschäft aus. Als der Betreiber im Verkaufsraum aufgetaucht war, holte er einen Revolver ohne gültigen Waffenschein und schoss fünf Mal. Zwei Täter starben, der dritte wurde schwer verletzt.
Der Mann argumentierte mit dem Schutz seiner Familie – ein Vorfall, den er bereits 2015 durchgemacht hatte. Doch die Gerichte betrachteten seine Handlung nicht als gerechtfertigte Notwehr, sondern als Selbstjustiz, da die unmittelbare Gefahr bereits vorüber war. In der ersten Instanz wurde er 2023 zu einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren verurteilt; das Berufungsgericht in Turin reduzierte diese Strafe im Dezember 2025 auf 14 Jahre und 9 Monate, die nun vom Kassationshof endgültig bestätigt wurde.
Politiker wie Matteo Salvini von der Lega fordern eine Begnadigung: „Mario Roggero ist ein Vater, ein Großvater und ein Ehemann, der sein Leben für seine Familie riskiert hat“, betonte er. Dennoch bleibt die Frage, ob das Urteil die Grenzen des Notwehrrechts in Italien weiterhin klar definiert oder eine neue Debatte auslöst – vor allem nach der 2019 eingeführten Reform, die das Recht auf Selbstverteidigung stärkte.