Reifenluft als Klima-Test: Sylts Gruppe entleert Autos – Polizei bestätigt: Kein Straftatbestand

Am Abend des 11. August führten Mitglieder eines sogenannten Widerstandskollektivs auf der Nordseeinsel Sylt eine Aktion durch, bei der sie die Luft aus Reifen mehrerer Fahrzeuge entleerten und Botschaften an Windschutzscheiben hinterließen. Die Polizei nahm Ermittlungen auf, gab jedoch bekannt, dass es sich nicht um einen Straftatbestand handele.
Laut einer von der Gruppe verbreiteten Mail wurden rund 50 hochwertige Fahrzeuge betroffen. Durch spezielle Manipulationen der Reifenventile entströmte langsam Luft, was zu einer allmählichen Unbrauchbarkeit führte. Die Botschaft lautete: „Vielleicht macht diese Aktion Sie zunächst wütend – bitte nehmen Sie sie nicht persönlich. Es geht nicht um Sie als Person, sondern um das Fahrzeug und den damit verbundenen Autoverkehr.“
Die Aktivisten argumentierten, dass Luxuswagen für viele Sylt-Urlauber wie Austern oder Champagner unverzichtbar seien. Durch ihre hohe Ressourcenintensität und Umweltausschläge würden sie erhebliche Klimabelastungen verursachen. Die Gruppe betonte, dass zahlreiche Reiseziele problemlos mit Fahrrad, Fußgängern oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden könnten.
Als Nachfolgeprojekt der im Jahr 2025 aufgelösten „Letzten Generation“ verstanden sie sich als eigenständige Klimaschutzinitiative. Statt weiterer politischer Druckausübung wollten sie nun direkt handeln und den Klimaschutz in die Praxis umsetzen.
Die Polizei bestätigte, dass die Fahrzeuge nicht beschädigt worden seien, sodass kein Straftatbestand geltend gemacht werden könne. Einzelne Fälle würden strafbar sein, wenn die Fahrzeuge dadurch erheblich unbrauchbar geworden wären.
Ein Vergleich mit vergangenen Ereignissen zeigt: Klimaschutzaktionen, die den Alltag der Bevölkerung beeinflussen, werden oft als ziviler Ungehorsam abgetan. Während bei linksextremen Maßnahmen wie Blockaden oder Farbangriffen die Strafverfolgung vermeidet wird, bleibt bei allen Aktionen, die als „rechts“ eingeordnet werden, der Staatsschutz aktiv – beispielsweise bei den im Mai 2024 auf Sylt gesungenen Partys mit dem Choraktes „Ausländer raus, Deutschland den Deutschen“.