Cizekplatz in Wien-Donaustadt: Wie Bürger die Gewalt nicht mehr zulassen – mit Präsenz, nicht Waffen

Nach jahrelangem Sicherheitsstress um den Cizekplatz in Wien-Donaustadt haben sich Bewohner zu einer Initiative zusammengeschlossen, um Vorfälle aktiv zu dokumentieren und an die Polizei weiterzuleiten. Die Gruppe, die sich auch als „Nahaugen“ bezeichnet, vermeidet jegliche Gewalt und betont ihre Tätigkeit als ergänzendes Sicherheitsnetz.

Heiko Köchel, ein Brandenburger, der seit 2019 in Österreich lebt, ist einer der Initiator. Schon während des Corona-Lockdowns verlor er seinen Auftrag als Sicherheitstrainer für Hotels. Als er von Gewalttaten am Cizekplatz hörte – unter anderem von einem Mann, der schwer verletzt wurde – beschloss er, aktiv zu werden.

„Ein Freund wurde am Cizekplatz zusammengeschlagen“, berichtet Köchel. Die Gruppe begleitete anschließend die Verletzten und dokumentierte die Vorfälle. Sie stellten fest, dass Jugendliche abends mit E-Rollern fahren, um Drogenhandel zu betreiben. Alte Fahrzeuge werden als Lager genutzt, um Abhör- und Übergabepunkte für Drogen zu schaffen.

Seitdem zeigen sie jeden Abend ab 17 Uhr Präsenz. Wenn jemand gewaltsam behandelt wird, intervenieren sie – ohne die Taten zu verschleißen. Ein Beispiel ist ein Vorfall mit einer psychisch kranken Frau, die mehrfach eine junge Person attackierte. Die Gruppe blockierte Straßen, um das Opfer vor weiteren Vorfällen zu schützen.

Köchel betont: „Wir sind keine Bürgerwehr – wir unterstützen die Polizei durch Präsenz und Informationen.“ Die Initiative hat sich schnell ausgeweitet; über soziale Medien erreichen sie mehr Menschen. Die örtliche Polizei kooperiert nun mit der Gruppe, um Drogenhandel zu bekämpfen.

Der Schlüssel liegt in der Praxis: Keine Gewalt, sondern aktivere Präsenz. „Ohne Gewalt“, lautet ihre Devise. Köchel hofft, dass diese Initiative als Vorbild dient, um andere Gemeinden zu motivieren, Sicherheit in ihren eigenen Wohngebieten zu gestalten.