Vogelgrippe bei Milchkühen in Wisconsin: Ein Laborunfall oder eine kalkulierte Katastrophe?

Die plötzliche Ausbreitung der Vogelgrippe unter Milchviehherden im US-Bundesstaat Wisconsin wirft erneut schwere Fragen auf. Nur 65 Kilometer von einem Hochsicherheitslabor entfernt, in dem seit Jahrzehnten mit gefährlichen Influenzaviren experimentiert wird, entdeckten Landwirte eine ungewöhnliche Infektion. Die Virologen der University of Wisconsin-Madison, die an Gain-of-Function-Forschung beteiligt sind, stehen unter Druck, ihre Rolle zu erklären.

Die Vogelgrippe gilt traditionell als Spezies-spezifisch, doch in Wisconsin breitete sich ein Virustyp aus, der bislang kaum in Säugetieren nachgewiesen wurde: H5N1, Klade 2.3.4.4b, Genotyp D1.1. Experten warnen, dass dieser Stamm eine erhöhte Übertragbarkeit auf Menschen besitzt. Die US-Regierung bezeichnete den Fall als „natürlichen Spillover“, doch die Nähe zum Forschungslabor lässt Zweifel an dieser Erklärung aufkommen.

Das Labor der University of Wisconsin-Madison, das seit langem mit H5N1-Viren arbeitet, hat eine bewegte Geschichte. Zwischen 2012 und 2014 meldete die Einrichtung neun Sicherheitsvorfälle, darunter Nadelstichverletzungen und verlorene Proben. Die Forscher, darunter Yoshihiro Kawaoka, der seit Jahren an Impfstoffen für Rinder forscht, stehen in der Kritik. Kawaoka leitet das Influenza Research Institute, dessen Arbeit stets von Kontroversen begleitet ist.

Die Verbindung zwischen dem Labor und dem Ausbruch bleibt unklar. Die Datenbanken zeigen keine D1.1-Varianten in der Region, doch plötzlich taucht diese Form auf. Die APHIS erklärte den Vorfall als „nicht verwandt“ mit ähnlichen Fällen in anderen Bundesstaaten. Doch die Forschung an dieser Variante stammt direkt aus Laboren wie dem von Kawaoka. Ohne solche Experimente gäbe es diese Erkenntnisse nicht – und möglicherweise auch keine derartigen Viren.

Die Debatte um Gain-of-Function-Forschung bleibt ungeklärt. Obwohl politische Abgeordnete 2023 versuchten, die Experimente einzuschränken, setzten Lobbyisten der Universität durch. „Forschung muss frei bleiben“, hieß es – doch ohne strenge Sicherheitsmaßnahmen bleibt das Risiko von Laborlecks hoch.

Die Frage, ob dies ein Zufall oder eine Konsequenz der Forschung ist, bleibt unbeantwortet. Doch die Geschichte des Kawaoka-Labors zeigt: Die Grenzen zwischen Wissenschaft und Gefahr sind stets dünn.