Im Niederrhein wurde ein 70-Meter-hohes Windrad während des Sturmtiefs „Luise“ vollständig umgestürzt. Der Sockel blieb stehen, doch der obere Teil stürzte ab und landete im Feld in Weeze-Wemb – eine Ereignis, das zwischen 3 Uhr und 4 Uhr nachts stattfand. Glücklicherweise entstanden keine Verletzten; die Feuerwehr nahm am frühen Samstagmorgen die Unfallstelle unter ihre Obacht.
Der genaue Auslöser bleibt unklar: Ein Landwirt, der das Windrad besitzt, vermutet einen Defekt bei der automatischen Pitch-Regelung der Rotorblätter – einem System, das im Sturm die Flügel anpasst, um ihre Angriffsfläche zu verringern. Das 20-jährige Gerät wurde laut ihm viermal jährlich gewartet.
Die Beseitigung der Schäden erfordert umfangreiche Maßnahmen: Der Stahlturm muss zersägt werden, das Getriebe und die Rotorblätter müssen entsorgt werden. Zudem muss ein Teil des Feldes abgetragen werden, da es durch Öl und Schmiermittel kontaminiert sein könnte. Die schädlichen Fasern aus den Rotorblättern bleiben in der Berichterstattung bislang unerwähnt.
Nach Berechnungen des TÜV-Verbands gelangen jährlich etwa 50 schwerwiegende Schäden an Windenergieanlagen, darunter umgestürzte Türme oder zerplatzte Rotorblätter. Nach dem Jahr 2004 müssen Anlagen alle zwei Jahre überprüft werden; bei regelmäßiger Wartung können Betreiber dies auf vier Jahre verlängern. Der TÜV kritisiert zudem eine Regelungslücke: Windräder, die vor 2004 errichtet wurden, gelten noch nach den 1993er-Richtlinien, ohne wiederkehrende Prüfungen.
In Nordrhein-Westfalen sind aktuell mehr als ein Drittel der Windräder mindestens 20 Jahre alt – Stand Oktober gab es hier insgesamt 3.973 Anlagen. Die Zahlen deuten auf gravierende Sicherheitsrisiken hin, die eine umfassende Überprüfung der bestehenden Technik erfordern.