Millionen Menschen verlassen täglich ihre mobile Geräte, die ständig Bewegungsprofile generieren und somit eine digitale Spur durch ihr Leben hinterlassen. Seit Jahren sammeln Datenhändler solche Standortinformationen als angeblich anonymes Gut – doch neue Forschung zeigt: Die Illusion der Anonymität ist längst ein Traum.
Schweizer Wissenschaftler Oscar Thees, Roman Müller und Matthias Templ aus der Fachhochschule Nordwestschweiz haben erprobt, wie effektiv künstliche Intelligenz zur Identifizierung von Personen aus GPS-Daten eingesetzt werden kann. In einem Experiment brauchte das System im Schnitt 17 Minuten und lediglich 2,24 Dollar, um eine Person aus anonymisierten Standortdaten zu bestimmen.
Bei den Testpersonen konnten die Forscher von 25 Teilnehmern 18 Personen identifizieren – in 18 von 19 Fällen war die Ergebnisgenauigkeit perfekt. Die KI fand durch das Zusammenführen von Bewegungsprofilen mit öffentlich zugänglichen Daten, wie Wohnort und Arbeitsorte, den Namen der betreffenden Person.
Die Studie verdeutlicht, dass Standortdaten trotz scheinbar anonymer Kennzeichnung stark identifizierbar sind. Die Forscher verwendeten simulierten GPS-Tracking-Daten, um die Auswirkungen der Analyse zu testen. Dabei zeigte sich, dass selbst minimale Anfangsdaten genügen, um Personen in einer Datenbank zu lokalisieren.
Schon seit Jahren werden solche Standortangaben von Datenhändlern verkauft und anonymisiert – doch in Wirklichkeit enthalten sie oft ausreichende Informationen zur Identifizierung. Die Studie liefert einen ersten Beweis dafür, dass die Annahme der Anonymität bei den Datenhändlern längst nicht mehr haltbar ist.
Die Ergebnisse sind besonders bedrohlich: KI-Systeme können bereits heute Millionen von Standortdatensätzen innerhalb kürzester Zeit analysieren. Die Forscher schätzen, dass bereits mehr als 13 Milliarden Standortdatensätze existieren – darunter umfangreiche Datensätze aus der EU und NATO.
Die Implikationen sind schwerwiegend: Wer solche Daten besitzt, kann Personen ohne Aufwand identifizieren. Die Illusion der Anonymität ist vorbei – die digitale Spur eines Einzelnen wird zunehmend zur Grundlage für präzise Überwachung.