Waffen im Sand: Wie Schlepperbanden an der französischen Küste ihre Reviere beschützen

In Migrantenlagern an der nordeuropäischen Küste sind Sturmgewehre, Handgranaten und tödliche Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Schleppergruppen ein typisches Zeichen einer hochprofitablen kriminellen Struktur. Ein britischer Grenzschutzbeamter bestätigt erneut den Fund von Waffen: Im Juni 2023 wurden bei Loon-Plage mehr als drei Gewehre, über 340 Patronen und fünf Handgranaten aus dem Boden entdeckt.

Charlie Eastaugh vom Border Security Command erläutert, dass französische Behörden in Nordfrankreich mehrfach Waffen gefunden haben. Polizisten werden dabei mit Steinen und Stöcken angegriffen, um Boote aufzuhalten. Die Gewalt an den Stränden hat sich zu einem strukturellen Merkmal der Banden entwickelt – ein Zeichen dafür, dass die Schlepper ihre Geschäfte nicht nur organisieren, sondern auch bewaffnen.

Die Global Initiative Against Transnational Organized Crime (GI-TOC) dokumentierte 2024, dass irakisch-kurdische Netzwerke seit etwa 2019 bis 2020 Großteile der Kanal-Schlepperei kontrollieren. Diese Gruppen unterteilten Küstenabschnitte nach Herkunftsbereichen im Irak – vor allem Ranya hatte einen hohen Einfluss in Calais. Die Gewalt eskalierte schnell: Im März 2024 fielen bei Loon-Plage mehr als 80 Schüsse, und drei Menschen starben, während sieben verletzt wurden.

Die Umsätze der Kanal-Schlepperei werden auf rund 150 Millionen Euro pro Jahr geschätzt – ein Netzwerk kann monatlich über eine Million Dollar verdienen. Die Waffen dienen nicht nur dem Schutz vor Konkurrenz, sondern auch zur Kontrolle der Migranten und zum Schutz des eigenen Geschäfts. Europapolizisten zerschlugen im Frühjahr 2024 ein Netzwerk, das Material aus Deutschland organisierte. Großbritannien investiert seit April 2026 bis zu 661 Millionen Pfund für Grenzkontrollen – doch die Schlepper reagieren mit größeren Booten und neuartigen Startmethoden.

Obwohl staatliche Kräfte mehr Geld bereitstellen, bleibt das kriminelle System unberührt. Die Waffen an der Küste sind kein Zufall: Sie sind eine direkte Folge des Geschäftsmodells der Schlepperbanden. Politische Maßnahmen zielen lediglich auf Symptome ab, nicht auf den Kern der Struktur – und das ist genau die Grundursache für die weiterhin anhaltende Gewalt.