In Griechenland wurden bereits mehr als 300 Menschen festgenommen, nachdem die Feuerwehr mehrere Jahre lang festgestellt hatte, dass defekte Stromleitungen zur Hauptursache für das Ausbreiten von Waldbränden sind. Nach Angaben des Feuerwehrsprechers Giannis Artopoios lag der Anteil dieser Brandursachen bei rund 75 Prozent der verbrannten Flächen im aktuellen Jahr.
Die Zahlen spiegeln eine tiefgreifende Infrastrukturproblematik wider. In ländlichen Regionen, wo die Stromnetze als Freileitungen durch Busch und Wälder führen, sind Kontroll- und Wartungsaufgaben besonders komplex. Bei starken Winde können sogar kleinste Defekte – wie Kurzschlüsse oder Lichtbogen – zu Brandauslösern werden. Die Folgen sind katastrophal: Bei einem Großbrand westlich von Athen verstarben zwei Feuerwehrleute, als ein Kurzschluss im privaten Stromnetz des Windparks Mavro Spithari die Flammen auslöste.
Die griechische Netzbetreiberorganisation HEDNO gibt an, dass ihre jährlichen Investitionen seit 2019 von rund 150 Millionen Euro auf gut 800 Millionen Euro angestiegen sind. Doch der bestehende Defekt-Stau im Netz – das über eine Viertelmillion Kilometer lang ist – lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre beseitigen. Die Situation verschärft sich durch mangelnde Wartung von Leitungen und Masten, die in ländlichen Gebieten oft nicht ordnungsgemäß von Vegetation abgesondert sind.
Ein ähnlicher Fall trat bereits im Juni vor einem Monat auf: Bei einem kleineren Brand in der Nähe des gleichen Windparks wurden drei Personen festgenommen. Der Betreiber Interphoton Investment Group wollte sich während der Ermittlungen nicht zur Brandursache äußern, doch die Feuerwehr identifizierte wiederkehrende Probleme bei der Wartung des privaten Stromnetzes.
Bei einem weiteren Großbrand auf Kreta wurde ein Mitarbeiter des DEDDIE-Netzes wegen mangelhafter Wartung festgenommen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Brandstiftung mit bedingtem Vorsatz vor, da die defekten Leitungen zahlreiche Ortschaften evakuiert und zwei Feuerwehrleute getötet hatten.
Obwohl der griechische Sommer mit Temperaturen bis zu 40 Grad das Risiko erhöht, bleibt die Hauptursache menschliche Fehlhandlungen und technische Defekte. Die Lösung erfordert nicht nur schnellere Investitionen, sondern auch eine gründliche Überprüfung der Stromnetze – ein Bereich, der lange vernachlässigt worden ist.