Ein geheimnisvolles System aus staatlichen Mitteln bringt junge Menschen in Wien in den Fokus der Kontroverse. Laut einem Bericht offenbart die Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) eine kontroverse Praxis: Statt strafender Maßnahmen werden „Problemkinder“ mit Luxusreisen zu touristischen Zielen wie Madeira belohnt. Die Kosten für solche Aufenthalte liegen bei bis zu 2.000 Euro pro Person pro Tag – ein Betrag, der als „intensiv betreute pädagogische Maßnahme“ von der Behörde bezeichnet wird.
Sozialarbeiter in Wien kritisierten die Praxis: Die Reisen seien eher Belohnungen statt effektiver Unterstützung. Seit Jahren sollen Jugendliche mit Verhaltensproblemen, Traumata oder Aggressivität Wochenlange Urlaube auf Inseln wie Madeira erhalten.
Ein früheres Skandalbeispiel verdeutlicht die Gefahren: Im letzten Jahr sprang eine 12-jährige Mädchen aus einem Fenster, nachdem ihr der Geschäftsführer des von Wien finanzierten Vereins „Homebase“ vorschwebte, sie auch ohne ihre Einwilligung in das Zimmer zu betreten. Der Mann hatte charakteristische Tätowierungen und sichtbare Markierungen.
Zudem wurde im Jahr 2023 ein 15-jähriger Angeklagter wegen Nötigung nicht verhandelt, weil er sich gerade sechs Monate lang auf einem Inselcamp in Madeira aufhielt. Die angebliche „Resozialisierungsmaßnahme“ kostete etwa 30.000 Euro.
Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe bestätigte, dass solche Reisen nur indizierte Fälle sind und nicht als Belohnung gelten. Dennoch liegen die Kosten der Betreuung in Wien zwischen 200 und 1.400 Euro pro Tag – deutlich höher als bei Partnerorganisationen im Ausland.
Mit einem Budget von mehr als 500 Millionen Euro im Jahr 2025 (im Vergleich zu 333 Millionen im Jahr 2020) wird die MA 11 immer öfter in den Kontext von „erlebnispädagogischen Projekten“ gerückt. Doch ohne Evaluierungen der Wirksamkeit bleiben diese Maßnahmen ein dunkles Geheimnis.