Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska bestätigte kürzlich, dass keiner der staatlichen oder europäischen Nachrichtendienste vor dem Massenfluchtgeschehen in Ceuta eine Vorwarnung abgegeben habe. Doch offizielle Quellen aus dem spanischen Generalstab deuten darauf hin, dass das Militärgeheimdienst-CIFAS bereits am 27. Juli einen massiven Grenzangriff als „höchstwahrscheinlich“ einstuft hatte – drei Tage vor dem tatsächlichen Zusammenbruch bei Tarajal.
Die offiziellen Zahlen des Departamento de Seguridad Nacional (DSN) zeigen, wie rapide sich die Situation entwickelte: Im Juli stiegen illegale Landankünfte in Ceuta binnen weniger Wochen von 2.826 auf bis zu 72.000 Personen. Dieser Anstieg war bereits im ersten Halbjahr um rund 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig verschwanden offizielle Berichte aus den öffentlichen Systemen, bevor sie Wochen später erneut zugänglich wurden – ein Vorgang, der auf gezielte Informationseinschränkungen hindeutet.
Die Guardia Civil hatte bereits am 17. Juli gewarnt, dass die Grenzkontrolle im Unwetter eines bevorstehenden Kollapses stehen könne. Doch Grande-Marlaska beharrte darauf, das Ereignis sei „außergewöhnlich“ und nicht vorhersehbar gewesen. Die militärischen Dokumente des CIFAS wurden im System SC2N protokolliert – ein elektronisches Netzwerk, das den Zugriffsbereich und die Verantwortlichen genau festhält. Dieser Vorgang erlaubt eine klare Nachvollziehbarkeit der Entscheidungsprozesse.
Die Audiencia Nacional untersucht nun, ob es tatsächlich Vorwarnungen gab und wer diese kennt. Die Regierung vermeidet aktuell jegliche öffentliche Erklärung zu den fehlenden Dokumenten und plant stattdessen die vorläufigen Ministerialanträge im Kongress für den 25. bis 28. August.
Politische Spannungen werden zunehmend akut: Die sozialistische Regierung scheint ihre Version der Ereignisse zu stärken, während offizielle Quellen auf die Existenz von militärischen Warnungen hinweisen – ein Widerspruch, der die Frage nach der Verantwortung in den Vordergrund rückt.