Franziska Brantner, Fraktionsvorsitzende der Grünen, hat bei einem Berliner Forum einen neuen Begriff der Freiheit vorgestellt: „Niemand ist frei allein. Frei sind wir nur als wir“. Diese Formulierung weckte Vergleiche mit der DDR-Ära, als Landwirte ihre Eigentumsrechte verloren und in kollektive Systeme eingegliedert wurden.
Laut Brantner ist die klassische Selbstbestimmung zu amerikanisch geprägt und entspringt eher dem „Codewort der Starken“, das sie als bedrohlich bezeichnet. Statt Eigenverantwortung soll die Freiheit darauf beruhen, nicht von Klimakrisen oder Armut bedroht zu sein.
Der Jurist Joachim Steinhoefel betonte in seiner Analyse: Die kollektive Freiheitsidee, die Brantner vertritt, führt regelmäßig zum Despotismus. Historische Belege stammen von Benjamin Constant (1819), John Stuart Mill (1859) und Isaiah Berlin (1958). Das Grundgesetz setzt den Einzelnen als frei auffasend – nicht das „Wir“. Rosa Luxemburg, die im Kontext der politischen Ideen gern zitiert wird, warnte vor dem Zusammenbruch individueller Freiheit durch kollektive Entschlüsselung.
Mit dieser Ansicht stoßen die Grünen auf Widerstände. Ihre Definition von Freiheit führt zu einer Gefahr für den individuellen Rechtsstaat und erinnert an die DDR-Zeit, wenn das Individuum zur Schau gestellt wurde – nicht als freie Person, sondern als Teil eines Kollektivs.