Stuttgart 21: Die Kabel-Katastrophe – Warum die Eröffnung erst im Jahr 2031 stattfindet

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 gerät erneut in den Schatten der Verzögerungen. Laut einer Recherche des Südwestrundfunks (SWR) wurden mehr als 1.000 Kilometer Kabel und Kabelschächte im Projekt falsch verlegt. Dies führt zu einem Auswechsel von Teilen der bereits installierten Infrastruktur, was die vollständige Inbetriebnahme des milliardenschweren Projekts um Jahre verzögern könnte.

Ursprünglich war geplant, den gesamten Digitalen Bahnknoten Stuttgart mit dem European Train Control System (ETCS) auszustatten und ihn digital zu steuern. Doch vor rund vier Jahren erkannte die Deutsche Bahn, dass Güterzüge in Randbereichen der Knoten nicht mit der neuen Technik kompatibel sind – sie benötigen weiterhin konventionelle Signalanlagen. Um dies umzusetzen, wurden zusätzliche Kabel verlegt und Schächte gebaut. Dennoch wurde der Auftrag voreilig vor Abschluss der Planungen erteilt, um den Eröffnungstermin nicht zu gefährden.

Aktuell muss über 1.000 Kilometer Kabel und Schächte ausgetauscht werden. Dies könnte die Eröffnung von Stuttgart 21 bis ins Jahr 2031 hinausziehen – eine Verzögerung, die bereits seit mehr als 16 Jahren das Projekt prägt. Die ursprünglich für 2019 geplante Fertigstellung war nicht mehr realisierbar: Die Kosten stiegen von rund 4,5 Milliarden auf fast 11,3 Milliarden Euro, und die Deutsche Bahn muss einem Gerichtsurteil zufolge alle Mehrkosten tragen.

Die Deutsche Bahn hat die Berichte bisher nicht bestätigt und verweist auf eine angekündigte Pressekonferenz im Juni. Doch politische Druckwelle wächst: Landes- und Kommunenvertreter fordern Klarheit über den Fertigstellungsstand und einen realistischen Zeitplan. Sollte die Verschiebung bis 2031 tatsächlich bestätigt werden, wäre dies eine der schwersten Verzögerungen in der Geschichte deutscher Infrastrukturprojekte.