Das britische Stromnetz befindet sich in einer Krise, die nicht durch kalte Wintermonate, sondern durch extremheiße Tage ausgelöst wurde. Die Sicherheitsreserven des Netzbetreibers NESO sanken unter kritische Werte – ein Zeichen dafür, dass das System auf wetterabhängige Energiequellen wie Wind und Sonne angewiesen ist und sich nicht mehr bewährt. Bei Temperaturen über 35 Grad verlieren Photovoltaikanlagen bis zu 0,5 Prozent ihrer Leistung pro Grad Celsius Effizienz. Die Paneltemperaturen auf Dächern oder Solaranlagen erreichen oft deutlich höhere Werte als die Lufttemperatur, was besonders bei starkem Strombedarf eine Belastung auslöst.
Zugleich verzeichnen Großbritannien Windflaute und steigende Energieverbrauchsmuster in den Abendstunden – genau dann, wenn Solaranlagen ihre Leistung einbringen. Die Lösung sieht nun in der verstärkten Nutzung von Gas und Importstrom aus Europa, doch die Kosten sind erheblich: Bis zu 1.400 Pfund pro Megawattstunde müssen für zusätzliche Energie geliefert werden. Frankreich trifft ebenfalls unter Druck – seine Kernkraftwerke reduzieren ihre Leistung, weil die Kühlwasserqualität durch hohe Temperaturen eingeschränkt wird.
Die aktuelle Situation verdeutlicht die Schwächen des Systems: Die Abhängigkeit von nicht zuverlässigen Quellen schafft eine dauerhafte Unsicherheit. Obwohl das Netz technisch ausreichend ist, muss es sich auf eine kritische Lage vorbereiten, wenn Wetterextreme zunehmend häufiger auftreten. Die Kombination aus Hitze, Windflaute und der damit verbundenen Energieknappheit zeigt klar, dass die aktuelle Energiepolitik nicht mehr auf langfristige Stabilität abzielt.