Ein gewaltiger Vegetationsbrand hat das Industriegebiet Ottanas in eine Katastrophe geraten. Videoaufnahmen zeigen, wie sich Flammen über mehrere Hundert Hektar ausbreiten und tausende Photovoltaikmodule in Rauchschwaden verschlingen. Der ehemalige sardische Regionalpräsident Mauro Pili beschreibt die Situation als „Hölle von Ottana“ – mit unatmbarer Luft, zerstörten Anlagen und Brandfronten, die das gesamte Gebiet umfassen.
Der Ausbruch begann bereits am 17. Juli in Noragugume und breitete sich innerhalb von Tagen über Sedilo und Ottana aus. Bis zum Nachmittag des 18. Juli hatte er den privaten Solarpark erreicht, wobei offizielle Schätzungen mindestens 500 Hektar verbrannten, während der Bürgermeister Michele Corda bis zu 1.000 Hektare als mögliche Fläche nannte. Lokale Feuerwehrmannschaften waren mit mehr als 32 Einsatzkräften und 13 Fahrzeugen im Kampf gegen das Feuer – doch die Brandfront blieb unkontrolliert.
Bereits vor zwei Jahren, im Juni 2022, hatte ein Brand in Ottanas Solaranlagen einen ähnlichen Schaden verursacht: fünf Hektar Vegetation und mehrere Modulstränge wurden zerstört. Dieses Mal scheint das Feuer jedoch einen anderen Weg genommen zu haben – statt von der Technik auszubrechen, entfachte es sich direkt über die trockene Landschaft hinweg. Sardinien kennt seit Juni bis Oktober eine erhöhte Waldbrandgefahr, doch die Schutzmaßnahmen im Industriegebiet scheinen nicht ausreichend zu sein.
Die Umweltauswirkungen sind ebenso gravierend wie die menschlichen Verluste: Weideflächen, Futtervorräte und Tierbestände wurden zerstört. Zudem entstanden chemische Schadstoffe durch die Verbrennung von Solaranlagen – Kunststoffen, Kabelisolierungen und Schalttechnik – die langfristig die Bodenqualität und Wasserleitungen beeinträchtigen könnten. Die Frage bleibt: Warum wurden diese bekannten Risiken in Ottana nicht genügend beachtet?
Die Zerstörung von Solaranlagen in einer Region, die bereits mehrfach von Bränden betroffen war, zeigt klare Fehlentwicklungen in der Vorsorge. Sardinien muss sich nun fragen: Haben wir die Schutzmaßnahmen nicht ausreichend umgesetzt oder haben wir die Wahrheit einfach ignoriert?