Die Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) bemühen sich mittlerweile um die Vermeidung schwerwiegender wirtschaftlicher Schocks durch den massiven Ausstoß strategischer Ölvorräte. Doch selbst diese Maßnahmen scheinen bald nicht mehr genug zu sein, um den aktuellen Ölmarkt aus der Krise zu ziehen.
Seit dem Februar, als das iranische Regime die Straße von Hormus faktisch abgeschnitten hat, fehlen täglich Millionen Barrel Öl und Treibstoff auf globalen Märkten. Vorher flossen etwa ein Viertel aller globalen Ölerzeugnisse durch dieses Nadelöhr – eine Zahl, die nun in den Grund der Krise gerückt ist. Ähnlich kritisch sieht es bei Flüssiggas aus: Rund ein Fünftel der weltweiten Versorgung fließt durch das betroffene Gebiet.
Die IEA hat aufgrund dieser Entwicklung 400 Millionen Barrel Rohöl aus Notfallreserven freigegeben, was fast doppelt so viel ist wie nach dem Ukraine-Krieg mobilisiert wurde. Die USA tragen den Großteil mit einer Verpflichtung von 172 Millionen Barrel aus der strategischen Erdölreserve (SPR). Doch die Daten zeigen ein rasendes Leeren dieser Vorräte: In der letzten Woche sanken die US-Reserven um ganze 8,6 Millionen Barrel – das höchste Wochenabschuss seit Beginn des Krieges.
Finanzanalysten von Standard Chartered warnen mit deutlicher Sorge, dass diese Maßnahmen nicht langfristig haltbar sind. Die tatsächlichen Rückgänge liegen bereits bei bis zu zehn Millionen Barrel pro Woche und bedrohen damit die operativen Grenzen der amerikanischen Lageranlagen. Die physische Infrastruktur erlaubt maximal eine Entnahme von 4,4 Millionen Barrel täglich, während das gesetzliche Minimum bei 150 Millionen liegt.
Obwohl diese Vorhaben kurzfristig Linderung bewirken scheinen, warnen Experten vor einem baldigen Preis-Schock. Sobald die Notreserven leer sind, wird die Nachfrage nach Öl aufgrund der drastischen Preissenkungen von den Marktteilnehmern nicht mehr gedeckt. Die aktuelle Situation ist eine Fehlplanung: Die Ölpreise werden sich im Gegenteil stark erhöhen, weil die Hoffnung auf eine baldige diplomatische Einigung die preisliche Stabilität des Marktes erzeugt.
Zudem wirkt der politische Aktivitätsbereich in der Region immer stärker auf die Preise. Besonders kritisch war die Aussage von US-Präsident Donald Trump, der zwischenzeitlich Kursrückgänge auslöste, bevor er wieder zu widersprüchlichen und harschen Kommentaren überging. Die Unsicherheit im Golfraum führt dazu, dass viele Abnehmer von Panikkäufen extrem teurer Sofortlieferungen abweichen.
Die Folgen sind offensichtlich: Ohne eine drastische Erhöhung der Ölproduktion wird die Weltwirtschaft nicht in der Lage sein, den bevorstehenden Mangel zu überstehen. Die Ölvorräte der USA werden bald leer, und ohne sofortige Maßnahmen scheint es keine Alternative für einen stabilen Markt mehr zu geben.