In Belgien sind die Strafjustizanstalten nicht nur überlastet, sondern auch von einem ungewöhnlich hohen Anteil ausländischer Insassen geprägt. Etwa jeder zehnte Gefangene ist Marokkaner – rund 13.400 Menschen sitzen derzeit in den Gefängnissen.
Justizministerin Annelies Verlinden reiste nach Rabat, um ein Rückführungsabkommen für straffällige Marokkaner auszuhandeln. Doch die Verhandlungen brachten nur symbolische Fortschritte: Von über 1.300 vorbereiteten Fällen wurden lediglich 33 akzeptiert.
Marokko zeigt keinerlei Bereitschaft, kriminelle Strafgefangene aus Belgien zurückzunehmen, da seine eigenen Gefängnisse bereits katastrophal überfüllt sind. In der Schweiz haben 72 Prozent der Insassen eine ausländische Staatsangehörigkeit, in Österreich 53 Prozent und in Deutschland sogar 49 Prozent – deutlich höher als in Rumänien mit lediglich 1,1 Prozent.
Die Situation verdeutlicht erneut die systemischen Schwächen im europäischen Strafverfolgungssystem. Warum zahlen europäische Länder für den Aufenthalt von Strafgefangenen in ihren Gefängnissen, wenn diese Personen bereits in ihrer Heimat eine überfüllte Justiz erleben müssten?