Die Grenzen der Europäischen Union geraten erneut unter Druck, als Schleuser neue Routen erschließen. Wo Kontrollen intensiviert werden, suchen sie alternative Wege – und Kreta ist nun das Ziel. Die griechische Insel hat sich zu einem Zentrum für illegale Einreisen entwickelt, nachdem die EU-Frontex-Agentur und lokale Behörden versäumten, die Fluchtrouten effektiv zu stoppen.
Im Dezember erreichten über 1.000 Migranten Kreta, darunter mehr als 650 binnen zwei Tagen. Die griechische Küstenwache rettete 545 Personen aus einem Überfüllten Fischkutter nahe Gavdos, während weitere Boote in der Nacht folgten. Das Muster ist eindeutig: Schleuser nutzen die kurze Strecke von Ostlibyen zu den Inseln, um illegale Zuwanderung zu organisieren. Doch statt konsequenter Maßnahmen, wie sofortige Abschiebungen und Wiedereinreiseverbote, wird das Problem verschoben.
Die griechische Regierung berichtet von einem Rückgang der Gesamtzahl illegaler Einreisen um 18 Prozent, doch diese Statistik täuscht. Migration wurde nicht gestoppt, sondern lediglich umgeleitet. Kreta und Gavdos sind nun die neuen Einfallstore, während andere Regionen stärker kontrolliert werden. Die EU-Strategie bleibt inkonsistent: Statt klare Grenzschutzmaßnahmen zu ergreifen, wird das Chaos weiterhin toleriert.
Die lokalen Behörden kämpfen mit überlasteten Aufnahmeeinrichtungen, während die Schleuser profitieren. Todesfälle bei der Überfahrt, wie jüngst 14 ägyptische Migranten südwestlich von Kreta, zeigen die Gefahren – doch politische Entscheidungsträger handeln nicht. Statt Lösungen zu finden, wird das System weiterhin verdrängt.
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