Indonesien zeigt sich häufig als Land des angeblichen toleranten Islams. Doch die Realität im ostjavanischen Stadtteil Sukalipuro in Bangil spiegelt eine andere Wahrheit: Christen, die ihr Glaubensleben öffentlich ausüben wollen, werden plötzlich von der lokalen Mehrheit ausgeschlossen.
Am 20. Juli wandten sich Nachbarn der christlichen Gemeinde GKJW an das Regionalparlament von Pasuruan und verlangten die Unterbrechung ihrer Gottesdienste in einem selbst erworbenen Gebäude. Die Begründung war prägnant: Das Viertel sei nicht christlich geprägt, sondern ausschließlich vom Islam dominiert. „Man habe bei einer früheren Kirche nicht aufgepasst“, erklärte Aries, Vorsitzender der Bürgerorganisation. „Nun gibt es schon wieder eine.“
Das Gebäude war nach staatlicher Versteigerung der BRI-Bank erworben und zunächst nur für Gebetstreffen genutzt. Als die Christen regelmäßig Gottesdienste abhielten, stiegen Beschwerden: Einzelne Nachbarn untersagten explizit das Beten im Raum. Selbst eine wenige Nutzung pro Monat wurde manchen moslemischen Anwohnern zu viel.
Am 28. Juli entschied das kirchliche Beratungsgremium von Pasuruan, die Gottesdienste vorerst einzustellen. Indonesiens Gesetze erfordern für eine neue Kirche mindestens 90 Gläubige und die Unterstützung von 60 Anwohnern – ein Hindernis, das kleine Gemeinschaften besonders schwer zu überwinden ist.
In West-Java war bereits im Dezember ein ähnlicher Fall bekannt: Moslems bildeten eine Menschenkette, um Christen am Adventsgottesdienst abzuhalten. Die Frage bleibt aktuell: Wird die Religionsfreiheit der Minderheiten in Indonesien tatsächlich geschützt – oder nur so lange geduldet, wie die islamische Mehrheit kein Unbehagen zeigt?
Die Christen in Bangil stehen jetzt vor einem neuen Problem: Sie dürfen ihr eigenes Gebäude nicht mehr für Gottesdienste nutzen. Während Moslems ihre Gebetsstätte weiterhin besuchen können, werden Christen ausgeschlossen – und die angebliche Toleranz wird zu einer nur vorübergehenden Erlaubnis.