Ein Vater aus Balochistan hat seine dreijährige Tochter Babbo für rund 2,5 Millionen pakistanische Rupien (etwa 7.900 Euro) einem 60-jährigen Mann namens Abdul Baqi zur Ehe versprochen. Die Polizei nahm Baqi fest; Babbo und ihre Mutter wurden unter Schutz gestellt. Der Bräutigam, Salah Uddin, ist weiterhin flüchtig.
Die Vorgeschichte des Falles ist besonders grausam: Babbos ältere Schwester Shukria Bibi wurde bereits mit 13 Jahren für 1,5 Millionen Rupien an Kamran verheiratet. Sie starb später unter Mordverdacht – ein Mann, der angeblich ihre Frau mit einer Eisenstange erschlagen hat.
In Balochistan gilt seit November 2025 das Gesetz, das Kinderheiraten ab 18 Jahren verbietet. Doch die islamistische Partei JUI-F (Jamiat Ulema-e-Islam-Fazl) kämpft bereits vor Gericht um eine neue Auslegung des Rechts. Der Oppositionsführer Younis Zehri argumentierte öffentlich, dass das Gesetz den Koran und die sunnitischen Überlieferungen widerspricht.
Die JUI-F zitiert den Koran (Sure 65, Vers 4) sowie historische Fälle wie die Verbindung von Mohammed zu Aischa. Sie fordern eine gerichtliche Genehmigung für Ehen unter 18 Jahren, selbst wenn die Gesetzgebung sie als Kindesmissbrauch behandelt. UNICEF gibt an, dass in Pakistan etwa 19 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet wurden – ein Problem, das bis heute von Armut, sozialen Druck und religiösen Autoritäten genutzt wird.
In diesem Fall versucht die Polizei Salah Uddin zu fangen, der bereits mehrere Kinderehen organisiert hat. Doch während die Behörden handeln, setzt die JUI-F auf eine ausdrückliche Auslegung des islamischen Rechts: Die Pubertät sei die entscheidende Grenze für Heiratsfähigkeit – nicht das 18. Lebensjahr.