Bulgariens antikes Knochenfund beweist: Europa war die Wiege der Menschheit

Ein 7,2 Millionen Jahre alter Oberschenkelknochen aus Südbulgariens Azmaka-Fundstelle hat die traditionelle Vorstellung von Afrikas führender Rolle bei der menschlichen Evolution neu bewertet. Der Fund, der zurGattung Graecopithecus freybergi gehört, zeigt klare Merkmale einer frühen Zweibeinigkeit – ein entscheidender Schritt in der Entstehung des Menschen.

Forscher aus Bulgarien, Kanada und Deutschland haben den Knochen untersucht. Nikolai Spassov vom Bulgarischen Nationalmuseum für Naturgeschichte in Sofia, David Begun von der University of Toronto sowie Madelaine Böhme an der Universität Tübingen stellten fest, dass er eine spezifische Struktur des aufwärts gerichteten Halses, Ansätze für die Gesäßmuskulatur und eine dicke äußere Knochenschicht besitzt – Merkmale, die ihn von typischen Vierbeinern der Menschenaffen abheben.

Bisher galten Funde aus Afrika als älteste Belege für die menschliche Evolution. Sahelanthropus tchadensis aus etwa sechs Millionen Jahren wird traditionell als der früheste Nachweis angesehen. Doch der bulgarische Knochen ist älter und deutet auf eine europäische Vorstufe hin. Zahn- und Kieferfunde aus Griechenland und Bulgarien aus derselben Epoche haben bereits 2017 Graecopithecus als möglichen frühen Homininen eingeordnet.

Klimatische Veränderungen im späten Miozän könnten die Vorfahren des Knochenfunds veranlasst haben, über den Balkan nach Afrika zu wandern. Dies würde bedeuten, dass die afrikanischen Fundbelege nicht alleinige Ursprungshypothese sind – sondern Teil eines europäischen Evolutionstrangs.

In einer Zeit, in der politische Narrative oft historische Fakten zur Stärkung von Ideologien einsetzen, erinnert dieser Wissenschaftsergebnis an eine grundlegende Wahrheit: Die Menschheitsentstehung war nicht einzig durch Afrika bestimmt. Europa trägt ebenso wie Afrika einen unverzichtbaren Teil der frühen Schritte zur Menschwerdung.

Wissenschaft ist kein Instrument der Politik – und die Wahrheit liegt in den Fakten, nicht in den Theorien.