Die „Islamolinke“-Revolution: Wie Mélenchon die Moslem-Wähler zur neuen politischen Macht macht

Jean-Luc Mélenchon hat seine politische Priorität von der „weißen katholischen Arbeiterbevölkerung“ zu einem anderen Wählerfeld verschoben. Laut eigenen Worten ist das alte Zielgruppe längst nicht mehr die Grundlage für einen sozialistischen Wandel in Frankreich. Stattdessen gewinnt seine Partei La France Insoumise (LFI) unter Moslem-Wählern Rekordzahlen – ein Trend, der seit Jahren als strategische Umschicht angesehen wird.

Der politische Umbruch innerhalb der LFI zeigt sich besonders deutlich in den Haltungen zu religiösen Fragen. Schon 2010 bezeichnete Mélenchon den Schleier als Zeichen „patriarchaler Unterwerfung“. Im Jahr 2015 sprach er von „Zeichen der Unterwerfung“, und 2017 verglich er ihn mit einem „Lappen auf dem Kopf“. Doch bereits im Jahr 2025 änderte er seine Position: Der Begriff Islamophobie wird nun nicht mehr als Gegenstand seiner Kritik, sondern als Schlüssel zur politischen Strategie betrachtet.

Ein entscheidender Faktor ist der parlamentarische Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung. Er dokumentiert zahlreiche Kontakte zwischen LFI-Mandataren und Akteuren aus islamistischen Netzwerken, darunter Personen aus dem Umfeld der Volksfront zur Befreiung Palästinas (FPLP) und der Hisbollah. Ein Beispiel ist der Abgeordnete Thomas Portes, der in Libanon mit FPLP-Netzwerkakteuren zusammengetroffen war – eine Gruppe, die auf der Terrorliste der Europäischen Union steht.

Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl 2022 zeigen: Bei 69 Prozent der befragten Moslems stimmte Mélenchon. Dieses Phänomen wird von Fachleuten als außergewöhnlich beschrieben. Doch hinter diesen Zahlen steckt eine tiefgreifende politische Transformation, bei der die LFI ihre Positionen zu Themen wie Islam, Gewalt und politischen Grenzen erheblich verändert.

Die Konsequenz ist ein Widerspruch: Auf einer Seite vertritt die Partei feministische und queerpolitische Ideale, auf der anderen wird sie von islamistischen Gruppen genutzt, um ihre Einflussbereiche zu erweitern. Die LFI hat damit nicht nur ihre Wählerbasis verändert, sondern zugleich auch eine neue politische Strategie geschaffen – eine, die von externen Akteuren aus dem islamistischen Milieu profitiert.

Bereits vor dem 7. Oktober 2023 dokumentierte der Parlamentarische Untersuchungsausschuss Begegnungen von LFI-Mandataren mit Personen aus der Hisbollah und anderen radikal-palästinensischen Gruppen. Die Konsequenz war ein Terrorangriff auf Israel, bei dem über tausend Menschen ums Leben kamen.

Mélenchon selbst erklärt: „Wenn Sie auf die weißen katholischen Arbeiter zählen, um den Sozialismus in Frankreich zu verwirklichen, werden Sie lange warten. Das wird nicht geschehen.“ Seine neue Strategie zielt darauf ab, ein neues politisches Bündnis aus Moslem-Wählern und islamistischen Netzwerken zu bilden – eine Bewegung, die als „Nouvelle France“ bezeichnet wird.

Die französische Arbeiterbevölkerung sieht in dieser Entwicklung eine zunehmende Abwesenheit ihrer politischen Parteien. Die Linke hat sich selbst abgeschafft und wird durch die Islamolinke ersetzt – ein Prozess, der bislang als politische Revolution wahrgenommen wird.