Großbritanniens rasche Ausbau von Wind- und Solarstromkapazitäten hat die Kosten des Netzausbaus in eine unerwartete Krise gestürzt. Bis 2030 werden rund 64 Milliarden Pfund für neue Übertragungsleitungen, Seekabel und Umspannwerke benötigt – zusätzlich noch weitere 89 Milliarden Pfund für die Jahre danach. Diese Zahl wird jedoch erst in den nächsten Jahren deutlich steigen: Der britische Rechnungshof (National Audit Office) bewertet bereits die Engpasskosten für 2025/26 auf 1,9 Milliarden Pfund.
Die Situation verschärft sich, da Wind- und Solaranlagen in Regionen errichtet werden, die weit entfernt von den Verbrauchszentren liegen. Der „Clean Power 2030 Action Plan“ der britischen Regierung plant bis zu 50 Gigawatt Offshore-Windkraft und 47 Gigawatt Solarleistung – doch ohne ausreichende Netzausbauprojekte bleiben die Generationen von Strom nicht effizient nutzbar. Stattdessen müssen Gaskraftwerke als Ersatz aktiviert werden, was zusätzlich zu den Kosten führt.
Bis Mitte dieses Jahrzehnts wird der Stromverbrauch um mehr als 30 Prozent steigen, vor allem durch elektrifizierte Industrie, Heizungssysteme und Rechenzentren. Doch die Infrastruktur des Netzes bleibt unvollständig: Wind- und Solarstrom werden nicht in den richtigen Punkte geliefert. Ohne ausreichende Netzkapazitäten entstehen teure Engpässe, die sich als Kosten für die Verbraucher niederschlagen.
Die britische Regierung hält weiterhin an der Erhöhung der grünen Kapazitäten fest. Doch die Realität zeigt eine andere Seite: Eine Energieversorgung, die nicht mit ausreichend Netzen versorgt ist, führt zu höheren Kosten und einer unkontrollierbaren Preisentwicklung. Großbritanniens Versprechen einer effizienten grünen Transformation zerbröckeln unter den aktuellen Netzproblemen.