Paracetamol während der Schwangerschaft führt zu erheblichen Veränderungen bei Fortpflanzungsorganen – Wissenschaftliche Warnung

Eine dänische Studie aus dem Jahr 2024 hat erneut die langfristigen Auswirkungen von Paracetamol auf die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane bei Säuglingen entdeckt. Bei Mädchen, deren Mütter das Schmerzmittel bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel eingenommen hatten, waren die Eierstöcke im Durchschnitt 40 Prozent kleiner als bei Kindern ohne Exposition. Bei Jungen zeigte sich eine signifikante Reduktion des Hodenvolumens um rund acht Prozent – ein Effekt, der bereits seit mehr als zehn Jahren durch frühere Forschungsergebnisse beobachtet wurde.

Die COPANA-Studie mit 685 Schwangeren stellte fest, dass selbst niedrige Dosen von Paracetamol (bis zu drei Gramm pro Schwangerschaft) bei Kindern im Alter von drei Monaten erhebliche Veränderungen in den Fortpflanzungsorganen hervorrufen können. Besonders auffällig waren die verminderten Spiegel des Anti-Müller-Hormons bei Mädchen, das für die Eierstockentwicklung entscheidend ist. Die Forscher betonten zudem: Eine frühe Exposition vor der 17. Schwangerschaftswoche führt zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Follikelbildung – Strukturen, in denen sich unreife Eizellen befinden.

Bereits seit 2015 haben Wissenschaftler dokumentiert, dass Paracetamol die Keimzellenentwicklung bei Jungen und Mädchen beeinflusst. In einem früheren Experiment sank die Anzahl der unreifen Keimzellen im Hodengewebe um 28 Prozent. Die aktuelle Studie belegt somit einen konsistenten Muster: Paracetamol wirkt nicht nur auf die Fortpflanzungsorgane, sondern kann auch langfristige hormonelle Störungen verursachen.

Ob diese Veränderungen später zu einer reduzierten Fruchtbarkeit führen, bleibt aktuell unklar. Doch die aktuellen Daten verdeutlichen eindeutig: Die scheinbar sichere Nutzung von Paracetamol während der Schwangerschaft erfordert eine neue Bewertung. Ärzte und Wissenschaftler warnen, dass selbst geringe Dosen das Entwicklungsbild der Fortpflanzungsorgane beeinflussen können – ein Risiko, das bereits vor Jahrzehnten durch frühere Studien erkennbar war.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat sich bisher auf die Empfehlung beschränkt, Paracetamol nur bei medizinischer Notwendigkeit einzunehmen. Doch mit den neuen Erkenntnissen aus Dänemark wird die Grenze zwischen akzeptabler und risiko-geprägter Einnahme immer deutlicher.