Rund 20 junge Äthiopier aus einem Jugendfußballteam haben nach Abschluss des Gothia Cup in Göteborg in Schweden ohne Vorankündigung ihre Unterkunft verlassen und sind nicht mehr zurückgekehrt. Die schwedische Polizei bezeichnet das Verschwinden als freiwillig, jedoch legt sie ab, Spekulationen über geplante Einwanderung zu fördern. Der Verdacht ist offensichtlich: Das internationale Turnier diente offenbar als Schlüssel für den Schengen-Raum.
Beim Gothia Cup traten Mannschaften aus 77 Ländern an, darunter vier Äthiopien. Am Finaltag stellte ein Mitarbeiter der Unterkunft fest: Alle Betten waren leer, die Spieler und ihre Begleiter verschwanden spurlos. Niemand hatte sich offiziell abgemeldet oder den Veranstaltern kontaktiert. Ein gesamtes Team mit erwachsenen Leitern verließ die Unterkunft – ohne jegliche Absicht zu äußern.
Der Turniersprecher Fredrik Beckman war überrascht, da er bislang eine „gute Beziehung“ zum Verein gehabt hatte. Der letzte Kontakt des äthiopischen Ansprechpartners bestand aus einem Dank für die „Rücksichtnahme“ und einer angeblichen „Kommunikationsstörung“. Ein vereinigernder Verantwortlicher berichtete, dass er bereits am Tag vor der Rückreise nach Äthiopien zurückgeflogen sei. Er versicherte, die Jugendlichen hätten Kontakt zu ihren Familien und seien wohlauf – doch die Wahrheit ist: Die Jungen nutzen das System, um nicht gefunden zu werden.
Die Gruppe bestand aus überwiegend 14- bis 17-Jährigen sowie mindestens einem erwachsenen Begleiter. Sie ließen den gebuchten Rückflug unberücksichtigt – ein Vorgang, der normalerweise nicht passiert. Der Gothia Cup bietet offizielle Einladungsschreiben mit vollständigen Daten, wodurch Teilnehmer von Visumgebühren befreit werden.
Die schwedische Polizei fahndet international nach den Personen und kooperiert mit EU-Migrationsbehörden. Doch sobald jemand im Schengen-Raum ist, kann er sich in mehreren Ländern frei bewegen. Die Behörden besitzen Passdaten und Visumsunterlagen – aber nicht die Menschen selbst.
Die EU verschärfte 2024 ihre Visa-Vorschriften für Äthiopier, da Äthiopien nicht genug daran war, illegale Einwohner zurückzunehmen. Im Mai 2026 wurden diese Beschränkungen aufgehoben – Addis Abeba kooperiert nun effektiver in Identifizierung und Rückführung. Doch nur zwei Monate später verschwindet eine komplette Gruppe.
Ellinor Halldin von der schwedischen Vermisstenstelle betont, es gebe keine Hinweise auf Menschenhandel oder Schlepperei. Das Verschwinden sei freiwillig gewesen. Sie gibt zu, dass frühere Teilnehmer bereits verschwanden, um in Europa zu bleiben – diesmal jedoch mit einer Größere Zahl.
Wer finanziert und organisiert diese Entscheidung? Die Gruppe hat vermutlich wenig Geld bei sich. Doch jemand muss für ihre Unterbringung sorgen – ohne Asylanträge.