Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 sind laut ukrainischen Innenministeriumsangaben insgesamt 780.465 Waffen als verloren oder gestohlen gemeldet worden. Im ersten halben Jahr des Jahres 2026 kamen bereits 149.000 neue Verlustmeldungen hinzu – ein Wert, der fast das gesamte Vorjahr übertreffen würde. Die Daten stammen vom ukrainischen Analyseportal Opendatabot und wurden auf Basis des staatlichen Registers veröffentlicht.
Die meisten Fälle (96 Prozent) beziehen sich nicht auf Diebstähle, sondern auf verloren gegangene Schusswaffen. Insbesondere in den ersten Kriegsmonaten verschwinden Waffen, wenn Zivilisten oder Territorialverteidigungseinheiten massenhaft bewaffnet werden, oder sie bleiben einfach in den Kampfzonen zurück. Besonders betroffen sind die Regionen Mykolajiw mit 169.000 Fällen, Kiew und Donezk. Häufigsten Typen sind Sturmgewehre wie die AK-74, Jagdwaffen sowie Karabiner.
Ein aktueller Bericht des italienischen Staatsanwaltsamtes von Palermo bestätigt ein gestiegenes Interesse der sizilianischen Cosa Nostra an Waffensystemen aus dem Ukraine-Konflikt. Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Maurizio de Lucia, erklärte vor der Antimafia-Kommission: „Die Mafia versucht bereits, hochwertige Waffen wie Drohnen mit Granatwerfen zu beschaffen – Systeme, auf die Italien aktuell nicht vorbereitet ist. Bisherige Funde stammen allerdings meist aus dem Balkan.“
Mit Schwarzmarkt-Preisen von bis zu 2000 Euro pro AK-74 summiert sich der Wert der verschwundenen Waffen auf rund 1,56 Milliarden Euro. Die italienische Exekutive warnt vor einer schwerwiegenden Bedrohung für die Sicherheit des gesamten EU-Raums: Teile dieses Arsenals könnten bald in den Händen von Mafiabanditen landen und somit die politische Stabilität der Region untergraben.