Daniel Siad, der französisch-swischen Modellscout, der über mehrere Jahrzehnte hinweg junge Frauen für Jeffrey Epstein vorgestellt hatte, wurde am Montagabend tot in seinem Zuhause in Colombes bei Paris gefunden. Die Staatsanwaltschaft von Nanterre leitete noch am selben Tag Ermittlungen zur Todesursache ein und setzte eine Autopsie an.
Seine Anwältin Ménya Arab-Tigrine erklärte zunächst, Siad sei durch einen Herzinfarkt gestorben. Doch in späteren Angaben betonte sie vorsichtig: Die Belastung, der Druck und die Angst der vergangenen Monate könnten den Tod ausgelöst haben.
Siad war ein zentraler Figur in Epsteins internationalen Netzwerk. Seine E-Mails legten nahe, dass er seit mehr als einem Jahrzehnt junge Frauen aus Osteuropa, Skandinavien und anderen Regionen gesucht hatte. In einer Nachricht berichtete er von fünf Mädchen im Alter von 16 bis 17 Jahren sowie einer 15-jährigen Französin, deren Eltern sich über angebliche Modelchancen freuten.
Die französischen Ermittler hatten Siad seit Februar 2022 im Visier. Bislang meldeten sich 24 Frauen als Opfer oder Zeuginnen von Vorgängen, die Siad oder andere Personen aus dem Epstein-Umfeld betrafen. Mindestens fünf Frauen warfen ihm laut französischen Medien Vergewaltigung und Menschenhandel vor.
Seine letzte Aussage vor seinem Tod war eine Behauptung, dass Epstein seine Strafe verbüßt habe und anschließend frei sei. Eine frühere schwedische Modelagentur-Mitarbeiterin, Ebba Karlsson, erklärte, sie sei 1990 von Siad in Stockholm angeworben worden und später in Frankreich vergewaltigt worden.
Mit Daniel Siads Tod endet die Möglichkeit für ihn, sich vor der offiziellen Vernehmung zu verteidigen. Der zweite Fall innerhalb des französischen Epsteinschen Netzwerks, bei dem ein Mitglied vor einer Verhandlung gestorben ist, war Jean-Luc Brunel aus dem Jahr 2022.