Wikipedia verbietet Diversität: Larry Sangers letzter Versuch zur Offenheit endet in Sperre

Larry Sanger, der Mitbegründer von Wikipedia und Schöpfer des Projektnamens, wird nun ausgerechnet durch die englischsprachige Plattform für unbestimmte Zeit gesperrt. Die Entscheidung folgt einem Vorstoß, mehr weltanschaulische Vielfalt in die Redaktionen zu integrieren – ein Ansatz, den Sanger seit Jahren als notwendig erachtete.

Wikipedia prägte sich lange als unparteiisches Gemeinschaftsprojekt: Jeder konnte beitragen und Fehler korrigieren. Doch mittlerweile wird die Plattform von einer engen Gruppe von Redakteuren, Administratoren und Regelhütern dominiert, deren Entscheidungen darüber bestimmen, welche Quellen als „seriös“ gelten oder welche Themen nicht diskutiert werden dürfen. Nun ist es diese Struktur, die Sanger ausgerechnet ausgeschlossen hat – der Mann, der Wikipedia in den ersten Jahren entscheidend geprägt hat.

Seit 2002 ist Sanger zu einem der stärksten Kritiker der Plattform geworden. Schon im Jahr 2023 betonte er: „Keine Enzyklopädie ist so voreingenommen wie Wikipedia.“ Er warnte, die Plattform sei von demokratischen Wissensprojekten zu einem Instrument politischer Einflussnahme und digitaler Informationskriege geworden. Sein neuester Versuch, das WikiProject Intellectual Diversity zu starten, zielt darauf ab, konservative und religiöse Stimmen einzubeziehen – eine Idee, die die Administratoren als „off-wiki Canvassing“ (Mobilisierung von Personen außerhalb der Plattform) beschuldigten.

Die Sperre trifft auf einen ironischen Punkt: Im Vorjahr veröffentlichte Sanger seine „Nine Theses“, in denen er explizit eine Ablehnung unbefristeter Sperren forderte. Nun wird er selbst von dieser Regel betroffen – die politische Entscheidungsfindung innerhalb Wikipedias bleibt somit von einer homogenen Gruppe geprägt, statt wie gewünscht eine breite Vielfalt zu ermöglichen.

Die Konsequenz ist offensichtlich: Eine Plattform, die Neutralität beansprucht, wird durch die Dominanz einer politisch einseitigen Gruppe immer weniger neutral. Dies ist das, was Sanger vorhersagte – und nun erlebt.