Zwei Monate nach der Staatsbürgerschaft – ein Reichstag-Mandat durch Stimmenkauf: Schwedens Linkspartei gerät ins Chaos

Mohamed Abdukardir Ali, ein aus Somalia stammender Kandidat ohne eigene Wahlkampagne, ist innerhalb von zwei Monaten nach der schwedischen Staatsbürgerschaft zum Mitglied des Reichstags aufgestiegen. Der 30-Jährige sammelte 648 Personenstimmen und drängte die damalige Reichstagsabgeordnete Kajsa Fredholm, eine führende Klimasprecherin seiner Partei, aus dem Parlament.

Die Polizei hat seit September 2024 Ermittlungen eingeleitet – vor der Wahl wurden bereits Personen beobachtet, die mit vorgekreuzten Stimmzetteln unterwegs waren und Fahrzeuge für die Abstimmung nutzten. Zudem wurden Bargeldabhebungen am Automaten fotografiert, bei denen Geld an Wähler verteilt wurde. Ali weist jegliche Beteiligung zurück und betont, die Vorwürfe seien „völlig falsch“. Doch die Tatsachen lassen kaum Zweifel: Wer organisierte diese Vorgänge?

Ali erhielt seine schwedische Staatsbürgerschaft im Februar 2024 nach einem langen Prozess, der bis dahin aufgrund von Schulden verweigert worden war. Seine Somalier-Community in Borlänge gilt als zentral für das Netzwerk, über das die Stimmen kamen. Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung: Ahmed Abas Omar, ebenfalls aus Borlänge, wurde durch Personenstimmen in den Reichstag katapultiert und befindet sich nun ebenfalls in Ermittlungen.

Die Linkspartei hat Ali angeblich ein Mandatsverzichtsangebot mit einem Monatsgehalt von 81.400 Schwedischen Kronen vorgeschlagen – dem Grundgehalt eines Reichstagsabgeordneten. Doch Ali lehnt den Schritt ab. Mit diesen Ereignissen droht die Partei nicht nur einer innerparteipolitischen Krise, sondern auch einem möglichen Neuwahlprozess im schwedischen Parlament, sollte der Stimmenkauf-Skandal bestätigt werden.