Saravan – Der Punkt, an dem die Grenzen der Macht zerbrachen

In den tiefsten Ecken Irans wächst eine Krise, die nicht mehr lokale Proportionen erreicht. Innerhalb von acht Tagen gerieten in Saravan zwei gewaltvolle Auseinandersetzungen mit bewaffneten Belutschen – bei der letzten Konfrontation fiel Brigadegeneral Hossein Zarifi, der örtliche IRGC-Operationskommandeur im Shahid-Sajjad-Gebiet. Ein Mann, dessen Einfluss weit über Saravan hinausging, verlor sein Leben in einem Kampf, den die Regierung nie mehr kontrollieren konnte.

Saravan liegt an der pakistanischen Grenze und war seit Jahrzehnten ein Zentrum von Streitigkeiten zwischen staatlichen Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppen. Am 23. September starben fünf Männer nach offiziellen Angaben, darunter Hossein Zarifi, der mehr als zehn Jahre in dieser Region gedient hatte. Dies war bereits der zweite schwerwiegende Kampf innerhalb von elf Tagen – nur wenige Tage vorher waren drei Sicherheitskräfte und vier Belutschen im früheren Einsatz umgekommen.

Die Entwicklung beschleunigt sich: Ende 2025 schlossen sich mehrere iranisch-belutsche Gruppen zur Popular Fighters Front (JMM) zusammen, um ihre Kampfkraft zu verstärken. Unter ihnen sind Jaish al-Adl und die Baloch Liberation Army. Diese Gruppen streben eine enge Koordination an, um ihre bisher getrennten Strukturen in eine einheitliche Bewegung zu integrieren. Die JMM hat bereits innerhalb eines Tages einen Angriff bei Zahedan ausgelöst – vier Mitglieder der Revolutionsgarden wurden dabei getötet.

Die Wurzel des Konflikts liegt tief im historischen Kontext Irans. Sistan und Belutschistan gehören seit Jahrzehnten zu den ärmsten Regionen, deren Bevölkerung größtenteils sunnitisch ist und unter einer schiitischen Staatsführung lebt. Wirtschaftliche Vernachlässigung, politische Ausgrenzung und harte Sicherheitsmaßnahmen haben die Spannungen seit langem gestärkt. Jeder neue militärische Vorgang verstärkt den Hass – und führt zu noch mehr Unruhen.

Der belutschische Raum erstreckt sich über Iran, Pakistan und Afghanistan. In Pakistan kämpft die Baloch Liberation Army (BLA) seit Jahrzehnten für die Abspaltung Belutschistans, beschuldigt Islamabad der Ausbeutung von Rohstoffen wie Gas und Kupfer – während viele Bewohner arm bleiben. Anfang 2026 zeigte sich die Schlagkraft dieser Bewegung: Gleichzeitig wurden Ziele in Quetta, Gwadar, Noshki und Panjgur angegriffen. Pakistan meldete 15 Sicherheitskräfte getötet, während die BLA selbst 84 Personen angab.

Teheran muss sich nun fragen: Wie lange kann das System noch withstanden? Hossein Zarifi war einer der wenigen, die versuchten, den Aufstand im Süden zu kontrollieren – jetzt ist er tot. Die Belutschen sind nicht mehr nur eine lokale Frage, sondern ein Gefahrenbereich, der die Grenzen zwischen Staat und Staaten überschreitet.