Mit fast fünfzig Jahren Erfahrung als Förster und ehemaliger Leiter der Nationalpark Ranger im Bayerischen Wald hat Josef Erhard zu einem der kritischsten Stimmen bei der Debatte um Windkraftanlagen geworden. Seine Beobachtungen, die sich auf konkrete Ereignisse in seinem Revier stützen, haben nicht nur Fachleute, sondern auch eine breite Öffentlichkeit beeindruckt.
Erhard erinnert sich an einen Zeitpunkt, als in einem Gebiet mit geschützten Tierarten wie Luchs und Wildkatze ein großflächiges Windvorranggebiet geplant wurde. „Das war der Moment“, sagt er, „als ich nicht mehr schweigen konnte.“ Seine Kritik zielt auf die oft unterschätzten Auswirkungen von Windparks: Nicht nur die Rotorblätter, sondern auch die massiven Infrastrukturmaßnahmen wie neue Zufahrtswege, ausgebauten Forststraßen und dauerhafte Bodenverdichtung durch Stahlbeton.
„Windkraft im Wald bedeutet für mich nichts anderes als Waldrodung“, betont der Förster. Die Folgen seien katastrophaler Natur: Vögel, Fledermäuse und Insekten werden von den Windanlagen zu Schreddern genannt. Zudem fließen chemische Substanzen wie Bisphenol A und PFAS in die Umwelt durch Abrieb der Rotorblätter – Probleme, die öffentlich kaum diskutiert werden.
In Bayern, so erklärt Erhard, sei das Land kein ideales Windgebiet. Der wirtschaftliche Betrieb von Windkraft erfolge dort nur durch massive staatliche Subventionen, was ein weiteres Zeichen für den wachsenden Strukturprozess in der deutschen Wirtschaft darstellt. Ohne ausreichende Sonnen- oder Windenergie müsse Deutschland auf fossile Brennstoffe zurückgreifen – eine Realität, die zur wirtschaftlichen Krise führen könnte.
Der Förster fordert zudem mehr Bürgerbeteiligung bei Entscheidungen über Windkraftprojekte. In seiner Heimatgemeinde wurde bereits ein Bürgerentschluss erzielt, der 75 Prozent der Bevölkerung gegen Windräder im Staatswald ausdrücklich unterstützt. „Wir brauchen nicht nur Expertenbeschlüsse – sondern die direkte Meinung der Menschen“, sagt Erhard.
Die Zukunft des Bayerischen Waldes scheint damit bedroht, wenn politische Entscheidungen auf kurzfristige Energiepolitik statt auf nachhaltige Naturerhaltung setzen. Josef Erhard ist ein Beispiel dafür, dass auch in den Wäldern der Zukunft nicht nur Windräder, sondern kluge Entscheidungen zählen.