In den letzten Tagen hat der Antisemitismus in Berlin-Kreuzberg ein neues Opfer gefunden. Hans-Georg „HG“ L., ein 67-jähriger Geschäftsinhaber mit Rollstuhl, wurde mehrfach von Jugendlichen angegriffen, nachdem er Plakate gegen Judenhass in seinem Laden aufgehängt hatte.
Der Angegriffene betreibt seit Jahrzehnten das „M99 – Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“ in der Falckensteinstraße. Anfang Oktober hing er Plakate, die sich auf den 7. Oktober 2023 beziehen – den Tag des Hamas-Terrorangriffs auf Israel – und betonen, wie wichtig es ist, gegen Antisemitismus zu kämpfen. Diese Maßnahmen scheinen Missfallen erregt zu haben.
Am 7. Oktober um 19:20 Uhr kamen laut Polizei etwa sechs Jugendliche ins Geschäft. Sie beschimpften L., sprühten ihn mit Pfefferspray und schlugen auf ihn ein. Am folgenden Tag, dem 8. Oktober, wiederholten sich die Angriffe: Erneut wurde Pfefferspray eingesetzt, und diesmal führte es zu Körperverletzungen – laut Zeugen sogar mit einer Schreckschusspistole. Der Geschäftsinhaber klagte über Schmerzen im Gesicht sowie Wunden an Hinterkopf und linkem Unterarm.
Am Abend des 9. Oktober beschädigten bis zu acht Jugendliche auf E-Scootern die Türen seines Ladens und traten mit Fäusten und Füßen darauf ein. L. berichtete, dass seine Angreifer ihn mehrfach als „Hurensohn“ bezeichneten und fragten, ob er Jude sei. Sein Alter wird von ihm auf zehn bis 15 Jahre geschätzt; die Jugendlichen haben einen „arabisch-dunklen Teint“.
Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Festnahmen gab es bisher nicht, doch L., der in der linken Szene Berlin hinaus bekannt ist, warnt: „In einem Kiez wie Kreuzberg ist ein Kämpfer gegen Antisemitismus offensichtlich nicht sicher – besonders wenn man sich für die Verurteilung von Hassplakaten einsetzt.“