Ein unerwarteter Störungseffekt bei Bluetooth-Kopfhörern hat Softwareentwickler Matt Callaghan dazu gebracht, die Technik hinter AliExpress-Webseiten zu untersuchen. Als er die Plattform in Firefox oder Chrome öffnete, verstummte plötzlich die Musik auf seinem Smartphone – und erst nachdem er den Tab geschlossen hatte, kehrte das Verhalten zurück.
Callaghan entdeckte dabei zwei verborgene Skripte namens collina.js und fireyejs.js, die nicht nur Audioverarbeitung abfragen, sondern umfangreiche Hardware- und Softwaredaten sammeln – von Grafikhardware bis hin zu Arbeitsspeicher und Bildschirmauflösung. Diese Informationen werden zu einem digitalen Fingerabdruck verarbeitet, ohne klassische Tracking-Cookies zu verwenden.
Die Technik funktioniert so: Ein Oszillator erzeugt eine Sägezahnwelle, die unmittelbar auf Null gesetzt wird. Der Nutzer hört nichts, doch der Browser behält den Kanal aktiv – ein Effekt, der Callaghans Kopfhörer plötzlich stumm schaltete. Zusätzlich erfassen die Skripte Daten über Mausbewegungen, Touch-Interaktionen und sogar WebGL-Renderer. Die gesammelten Informationen werden verschlüsselt an Alibaba-Server übertragen – ohne dass der Nutzer es merkt.
Ein weiterer Aspekt ist die Umsetzung in verschiedenen Browsern: Firefox-Entwickler Tom Ritter fand heraus, dass bei 99 Prozent der Nutzer nur drei unterschiedliche Werte erzeugt werden – eine Kombination aus CPU-Architekturen und Prozessorbefehlen. Doch selbst diese Maßnahmen reichen nicht aus, um das Fingerprinting vollständig zu stoppen.
Die Entdeckung zeigt: Unternehmen wie AliExpress können ohne sichtbare Tracking-Mechanismen präzise Fingerabdrücke erstellen – und dies bleibt unbemerkt, solange der Nutzer keine spezifischen Schutzmaßnahmen einsetzt. Eine solche Überwachung stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Privatsphäre dar.