Ein Forscherkollektiv mit Michael Levitt, dem Chemie-Nobelpreisträger, und John Ioannidis, einem führenden Epidemiologen, hat mehr als 57 Millionen Todesscheine aus den Vereinigten Staaten zwischen 2003 und 2023 neu analysiert. Die Forschung ergab, dass bis zu 63 Prozent der offiziell als COVID-19 gemeldeten Todesfälle aufgrund von ICD-Kodierungsänderungen und einer verstärkten Berücksichtigung begleitender Krankheiten in andere Kategorien verschoben wurden.
Besonders stark stieg die Umschreibung während der Pandemiejahre 2020 bis 2021, als neue Vorschriften zur Sterblichkeitskodierung implementiert wurden. Die Studie zeigt, dass viele Todesfälle – unter anderem durch Herzinsuffizienz oder andere chronische Erkrankungen – in den offiziellen Daten lediglich als sekundäre Folge von SARS-CoV-2 aufgeführt wurden. Dies führt zu einer systemischen Überschätzung der tatsächlichen Auswirkungen der Pandemie.
In Deutschland existiert eine ähnliche Struktur bei der Todesurkunde: Sie listet ein Grundleiden und mögliche Begleiterkrankungen auf, doch die vollständige Kausalitätsketten sind für wissenschaftliche Analysen oft nicht zugänglich. Die Forschung unterstreicht damit die Notwendigkeit von transnationalen Standards in der Sterblichkeitsstatistik.