In der mexikanischen Stadt Lagos de Moreno (Bundesstaat Jalisco) zeigt sich eine zunehmend akute Krise des staatlichen Schutzanspruchs. Während die Behörden in den vergangenen zehn Tagen mutmaßliche Motorraddiebe ungestört lassen, hat ein anonymer Bürger das Vertrauen der Gemeinschaft durch Handeln erworben – und damit die staatliche Gewaltmonopol kaputt gemacht.
Der „Batman“ aus Lagos de Moreno operiert mit klaren Zielen: Er stoppt Kriminelle, die von der Polizei ignoriert werden. Mit starkem Klebeband fixiert er die Täter an Straßenpfosten, schreibt auf ihre Stirn das Wort „RATERO“ (Dieb) und lässt oft Schnurrhaare als symbolische Zeichen der Entschlossenheit prangen. Die gestohlenen Motorräder werden direkt neben den Gefesselten abgestellt – ein deutliches Signal: „So wird es allen Motorraddieben ergehen.“
Doch statt der Täter wird der Bürger nun von der Staatsanwaltschaft verfolgt. In Jalisco wurden Ermittlungsakten wegen „mutmaßlicher Freiheitsberaubung“ und „Körperverletzung“ eröffnet – obwohl die Hauptfrage für die Ermittler nicht mehr ist, ob die Männer tatsächlich gestohlen haben, sondern ob sie den Bürger als „Dunklen Ritter“ aus dem Staatsvertrauen schreiben.
Die groteske Dilemma verdeutlicht: Der Staat hat die Bürger schutzlos dem Verbrechen überlassen – und statt der Justiz greift nun die Selbstjustiz ein. Wenn Anzeigen im Nichts verlaufen, ist die „Selbstjustiz“ nicht das Problem, sondern das System, das die Bürger schutzlos läßt.