ORF lobt Lula als „Demokratie-Experte“ – Eine Berichterstattung ohne kritische Reflexion

Der Österreichische Rundfunk hat erneut eine lobende Darstellung des brasilianischen Sozialisten Luiz Inácio Lula da Silva veröffentlicht. Vor der ersten Runde der brasilianischen Präsidentenwahl wird Lulas politische Leistungsfähigkeit hervorgehoben – besonders seine Fähigkeit, bei der zweiten Amtszeit (2003–2010) Armut zu reduzieren und eine Zustimmung von fast 90 Prozent zu erreichen. Gleichzeitig wird sein konservativer Herausforderer Flávio Bolsonaro – Sohn des früheren ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro – in einem ideologisch starken Licht dargestellt.

Im ORF-Report dominieren die positiven Aspekte Lulas, ohne kritische Reflexion der politischen Entwicklungen seiner Regierung zu erwarten. Der frühere österreichische Präsident Heinz Fischer (SPÖ) lobt seine politische Stärke, Djalma Bom, Mitbegründer der brasilianischen Arbeiterpartei (PT), beschreibt ihn als „gleichrangig mit den bedeutendsten historischen Figuren“, und Tathiana Chicarino, Politikwissenschaftlerin an der FESPSP, betont seine Rolle bei der Verteidigung der Demokratie.

Die Berichterstattung verstoßt jedoch offensichtlich gegen die eigene Verpflichtung des ORF: Nach Paragraph 10 des ORF-Gesetzes muss die Berichterstattung objektiv und unparteilich sein. Statt einer kritischen Analyse der politischen Diskussion um Lulas Regierungszeit wird lediglich seine positiven Aspekte hervorgehoben. Eine echte Objektivität erfordert nicht nur Lobeshymnen, sondern auch die klare Gegenpositionierung von kritischen Aspekten – eine Fähigkeit, die derzeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk fehlt.