Netzzerfall im Norden Englands: 10.000 Haushalte verlieren Millionen – Bürger-Solarpark Derril Water wird zwangsabgeschaltet

Der staatliche Netzbetreiber National Grid hat den gemeinschaftlichen Solarpark „Derril Water“ in Nord-Devon, der bereits seit mehr als einem Jahr als Teil des britischen Strommarkts betrieben wurde, im Sommer unerwartet abgeschaltet. Betroffen sind rund 9.500 Privathaushalte und Kleinunternehmen, die insgesamt 42 Millionen Pfund investiert haben – eine Summe, die sie nun nicht mehr zurückgewinnen können.

Die Gründe für diese Zwangsabschaltung liegen in der drastischen Überlastung des lokalen Stromnetzes durch den Flatter-Solarstrom. Seit Jahren warnt der Netzbetreiber vor einer „thermischen Überlastung“, bei der Transformatoren überhitzt werden, die Isolierung schmilzt und zu Brandereignissen führen kann. Die Fertigstellung der notwendigen Modernisierungen zur Spannungsregelung – welche eigentlich bis Ende 2025 abgeschlossen sein sollten – wurde mehrfach verschoben. Die Folge: Im Sommer, wenn die Solaranlagen am produktivsten sind, droht eine totale Stromversorgungskrise.

Während große Windparkunternehmen Millionen aus Steuergeldern für Netzüberlastungen entlohnen, gibt es bei Derril Water keinerlei Entschädigung. Die Mitglieder der Genossenschaft Ripple Energy verlieren nicht nur ihre Investitionen, sondern auch die erwarteten Ersparnisse von bis zu 200 Pfund pro Jahr. Bislang ist der Einnahmeausfall bereits zwei Millionen Pfund hochgekommen – und keine Versicherung bietet Schutz. Der Projektverlauf war ebenfalls chaotisch: Derril Water ging Anfang 2025 pleite, erst durch eine Notübernahme von 1st Energy konnte er im vergangenen Jahr wieder betrieben werden. Doch nun wird er im Sommer abgeschaltet – genau in der Zeit, wenn die Stromerzeugung am höchsten ist.

Der Netzbetreiber National Grid war seit dem Jahr 2023 mit den Engpässen im Netz bekannt. Die Verschiebungen der Modernisierungsmaßnahmen haben nicht nur die Bürger betroffen, sondern auch die Vertrauen in die Strompolitik zerstört. Die Auswirkungen sind katastrophal: Die Genossenschaft kündigte bereits an, Mitgliederzahlungen zu reduzieren oder ganz abzubrechen. Dieses System zeigt deutlich, wie fehlerhaft die aktuelle Energiepolitik ist – ein Versuch, Bürger mit hohen Investitionen in das Netz zu verunsichern, ohne ihnen einen Schutz vor den Folgen zu gewährleisten.