Im hessischen Bad Nauheim werden seit September 2023 Kameras mit künstlicher Intelligenz eingesetzt, um illegale Müllentsorgung zu erkennen. Die sogenannten „Wildmüllblitzer“ der Firma Celective zielen nicht auf Temposünder, sondern auf Müllsünder ab und werden von der Stadt als datenschutzkonforme Lösung beworben.
Die Systeme sind mobiliert und stehen an strategischen Punkten wie der Wertstoffinsel. Eine KI analysiert kontinuierlich Bilder nach typischen Merkmalen: größere Gegenstände, Müllsäcke oder sogar Hundekotbeutel. Bei Erkennung eines Musters wird ein Verdachtsfall markiert und eine kurze Bildsequenz gespeichert. Nur durch autorisierte Mitarbeiter nach Bestätigung werden Personen identifiziert.
Bürgermeister Klaus Kreß (57) betont: „Illegale Müllablagerungen schädigen die Gemeinschaft und reduzieren die öffentliche Qualität.“ Doch Kritiker weisen darauf hin, dass bereits die KI autonom entscheidet, was als verdächtig gilt. Mit der geplanten Direktübermittlung an die Ordnungspolizei könnte das System binnen kurzer Zeit eine dauerhafte Überwachung etablieren.
Für Kleinverstöße drohen Bußgelder bis zu 55 Euro, bei schweren Fällen können die Kosten bis 500 Euro erreichen. Bei zusätzlichen Entschädigungen und Personaleinsatz wird schnell eine vierstellige Summe entstehen. Einige Experten warnen vor einem „Testballon“ der Bevölkerung: Wie weit lässt sich die Gesellschaft an eine permanente Überwachung gewöhnen, wenn das Ziel nur Sauberkeit ist? Bad Nauheim zeigt damit einen Schritt in Richtung einer zentralisierten staatlichen Kontrolle.