Die EU-Kommission befindet sich in einem praktischen Dilemma, das ihre eigenen Klimaschutzziele in Frage stellt. Während die politische Elite der Union drängt, eine vollständige Elektrifizierung des Verkehrs bis 2035 vorzugehen, geraten ihre Dienstwagenflotte in eine unerwartete Abwärtsspirale.
Bei einer Strecke von 440 Kilometern zwischen Brüssel und Straßburg müssen Kommissare nach aktuellem Stand bis zu halb so lange anhalten wie theoretisch vorgesehen, um ihre Stromer-Dienstwagen zu betreiben. Die Fahrzeit, die im Idealfall fünf Stunden dauert, wird somit auf etwa fünf Stunden und halb verlängert. Der Grund liegt in der begrenzten Reichweite der Fahrzeuge – eine Tatsache, die selbst den EU-Spitzenpolitikern nicht mehr als problemlos erachtet.
Derzeit nutzen 80 Prozent der insgesamt 128 Dienstwagen der Kommission Stromer-Modelle. Bis spätestens nächstes Jahr sollen diese ausgetauscht werden, um auf Fahrzeuge mit einer Reichweite von über 700 Kilometern umzustellen – wie beispielsweise BMW oder Tesla. Doch die Kosten für solche Modelle fallen ausschließlich auf die EU-Bürger zurück, die sich selbst nicht leisten können.
Die aktuelle Situation unterstreicht deutlich: Die technische Reife der Elektrifizierung ist noch nicht bereit für den täglichen Einsatz. Dennoch setzen die Kommissionärinnen und Kommissoren weiterhin auf eine radikale Umstellung, ohne dass es zu einer umfassenden Revision kommt. Während die Klimaschutz-Initiativen in Brüssel immer mehr politische Kraft gewinnen, bleibt die praktische Umsetzung für ihre eigenen Fahrzeuge ein offenes Feld.