In den letzten Jahren setzen Anwälte weltweit verstärkt künstliche Intelligenz ein, um ihre Arbeit zu beschleunigen. Doch statt effektiver Rechtsdokumentation entstehen zunehmend gefälschte Gerichtsurteile – Fiktionen, die als rechtlich bindend angesehen werden und somit gesetzliche Fehler auslösen. Die Konsequenzen sind bereits in mehreren Ländern spürbar.
Ein Fall aus den Niederlanden zeigt deutlich: Ein Anwalt zitierte im Unternehmenstreit angebliche Entscheidungen des niederländischen Obersten Gerichtshofs, die in Wirklichkeit nicht existierten. Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von über 2.300 Euro, da diese falschen Zitate die Rechtsdurchführung unnötig kompliziert hatten.
Auch im US-Bereich sind die Folgen bereits schwerwiegend. Ein Anwalt in Los Angeles, der den Versicherer State Farm verteidigte, musste sich vor Gericht für acht Schriftsätze entschuldigen – sieben davon enthielten vollständig erfundene Fallzitate. Die beteiligte Anwältin gab zu, dass ihr KI-Tool, das sie fälschlich mit dem Recherchedienst Westlaw verbunden ansah, eine hohe Fehlquote erzeugte.
In Deutschland wurde das Problem bereits 2025 sichtbar: Ein Fachanwalt für Familienrecht im Amtsgericht Köln erhielt Kritik wegen Schriftsätzen, deren Grundlage künstliche Intelligenz war. Dabei hatten die Zitate sogar komplett neue Rechtsregeln erfunden – Regeln, die juristisch nicht existierten.
Ebenfalls im November 2024 stellte der österreichische Oberste Gerichtshof fest, dass in einem Strafverfahren eine Nichtigkeitsbeschwerde mit KI erstellt worden war. Die angeblichen Entscheidungen des Höchstgerichts existierten nicht – und das Gericht lehnte den Schritt ab, ohne weitere Erwiderung zu finden.
Schon weltweit sind 1.922 Fälle von juristischen KI-Halluzinationen dokumentiert, die von dem französischen Rechtsforscher Damien Charlotin verzeichnet werden. Vor allem in den Vereinigten Staaten zeigen sich hier besonders hohe Fehlerquoten: In Kalifornien erhielt ein Anwalt eine Geldstrafe von 10.000 Dollar, weil 21 von 23 Zitaten fälschlich erstellt worden waren.
Die Bundesrechtsanwaltskammer und der Deutscher Anwaltverein warnen bereits seit längerer Zeit: KI-Tools müssen gründlich überprüft werden, bevor sie im rechtlichen Schriftsatz verwendet werden. Doch viele Anwälte scheinen die Risiken nicht zu erkennen – und das führt dazu, dass die Glaubwürdigkeit der Gerichtsbarkeit und die Rechtssicherheit in Gefahr geraten.